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Jost Vacano

Marco Kregel: Jost Vacano – Die Kamera als Auge des Zuschauers. Marburg 2005. Schüren Verlag. 234 Seiten. 19,90 EUR

Dem Realismus verschrieben

Von Thomas Warnecke Nach Heinz Pehlke, Raoul Coutard, Frank Griebe und Robby Müller hat der Schüren Verlag mit Jost Vacano einem weiteren maßstabsetzenden Bildgestalter ein Buch gewidmet. Jost Vacano blickt im Gespräch mit Marco Kregel zurück, nachdem er sich mit Hollowman zumindest von der Kameraführung verabschiedet hat. Er ist, das sagt er auch selber, vor allem der Mann, der »Das Boot« gefilmt hat, und als seine spektakulärste Einstellung bezeichnet er das lange Rennen vom Heck bis zum Bug, 50 Meter durch das Boot – mit zwei versteckten Schnitten. Daß der komplette Film aus der Hand gedreht wurde, heftet er sich als Frucht seiner Beharrlichkeit an die Brust; die Kamera als Auge des Zuschauers mußte mitten im Geschehen sein, als Blick aus der Enge heraus und nicht, wie es die Produzenten ursprünglich geplant hatten, etwa von außen durch geöffnete Seitenwände.

Von seinen Anfängen um 1960 an, mit Peter Schamoni und dann, fürs Fernsehen, mit Peter Beauvais, hat sich Vacano dem Realismus verschrieben bzw. der Frage, wie ein solcher mit der Kamera zu gestalten ist. Grundsätzlich ging es ihm dabei um die der Geschichte angemessene Zuschauerperspektive und nicht, mit auffallender Kameravirtuosität Eindruck zu hinterlassen. Genau das ist es, was ihn als Künstler auszeichnet: Fragen der Technik sind zweitrangig, wenn nur die kreativen Entscheidungen stimmen. Nicht nur die Produzenten haben sich für ihn, er hat sich für bestimmte Projekte entschieden und brachte seine eigene Vorstellung mit, wie diese Filme aussehen sollten. Als Konsequenz kümmert sich Vacano heute unter anderem darum, daß Kameramänner als Miturheber von Filmen auch gesetzlich anerkannt werden.

Daß sich sein Anspruch mit einigen Regisseuren besser verwirklichen ließ (Schamoni, Klick, Verhoeven) als mit anderen (Schlöndorff), wird in zahlreichen Anekdoten deutlich, die Kregel fleißig aufgezeichnet hat – leider klebte Kregel nachher zu sehr an seinen Tonbandaufnahmen, Füllwörter und etwas wackelige Syntax durchziehen den Text und hemmen ein wenig den Lesefluß. Doch was zählt, ist die Würdigung gutgemachter Arbeit in ausführlicher Analyse, der klassischen Frage folgend, die Filmschaffenden zu stellen ist: Wie haben Sie das gemacht, Herr Vacano?! 1970-01-01 01:00

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