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Nachbesserung am amerikanischen Traum

Daniel Kothenschulte: Nachbesserung am amerikanischen Traum. Der Regisseur Robert Redford. Marburg 2001. Schüren Verlag. 192 S. EUR 14.80
Von Nikolaj Nikitin Ein häufig geäußertes Urteil gegen Kritiker ist die Unterstellung, daß »Künstlern« Intentionen unterstellt werden, die diese gar nicht haben. Selten bekommt ein Autor jedoch die Möglichkeit, die Ergebnisse seiner Reflexion mit dem Kreativen zu diskutieren. Zu überprüfen, ob die (waghalsigen) Thesen nur werkimmanent vorhanden sind, unbewußt vom Künstler durch den Zeitgeist beeinflußt zustande kamen oder ob es in »voller« Absicht geschah.

In dieser glücklichen Lage war der renommierte Filmjournalist Daniel Kothenschulte, als er ein äußerst profundes Interview mit dem Schauspieler und Regisseur Robert Redford führte. Angesprochen auf seine Vergangenheit als Kunststudent während der 50er und den Einfluß von Matisse oder Schiele auf seine zweite Regiearbeit »Milagro« und ihre musikalische Konzeption (Dvorak) vom »Pferdeflüsterer«, vertieft der Filmemacher die Eigeninterpretation.

Kothenschulte unterzieht den fünf, einerseits recht unterschiedlichen und doch immer dem einen Thema – der Nachbesserung des amerikanischen Traums – verhafteten Filme einer prägnanten Analyse. Geschickt baut der Autor nicht nur die schauspielerischen Arbeiten Redfords, sondern unzählige Querverweise zur amerikanischen und europäischen Filmgeschichte ein. Dabei fasziniert vor allem die kenntnisreiche Leidenschaft des Disney-Fans und die daraus resultierenden Parallelitäten. Der Autor vermittelt dem Leser dabei immer das Gefühl, daß Redfords Ideen und Wurzeln in der Literatur und bildenden Kunst verankert sind, so verwundert auch nicht das Zitat »es gebe viele Filme, die er [Redford] bewundere, aber keine, die er sich zum Vorbild genommen habe«.

Neben dem äußerst flüssigen Schreibstil, der nie abgehoben und immer verständlich bleibt, erhöhen zahlreiche Film- und Kunstabbildungen (z.B. van Gogh zu »Milagro") das Verständnis um die Interpretation des Autors und das Lesevergnügen. Besonders positiv fällt aber auch die herausragende Artikelrecherche auf, so kommt der Leser an das Vergnügen, etwas über Redfords erste Gage im Showbusiness und die damit verbundene tiefere Beziehungs zur »Quiz Show« zu erfahren. »Nachbesserung am amerikanischen Traum« ist jedoch nicht nur ein spannendes, detailliertes Stück Filmliteratur, es beinhaltet auch die Leistung, einen Regisseur ins rechte Licht zu rücken, der zu Unrecht auf sein Sunnyboy-Image reduziert wird. 1970-01-01 01:00

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