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Das filmische Universum von Joel und Ethan Coen

Annette Kilzer / Stefan Rogall: Das filmische Universum von Joel und Ethan Coen. Marburg 1998. Schüren Verlag. 191 S.

Joel & Ethan Coen

Peter Körte / Georg Seeßlen (Hrsg.): Joel & Ethan Coen. Berlin 1998. Bertz Verlag. 287 S.
Von Michael Biniok Keiner ihrer Filme gleicht dem anderen. Von dem texanischen Film noir »Blood Simple« über das im Stil der Screwball-Comedy gedrehte »The Hudsucker Proxy« bis hin zu ihrem neuen Werk, der 70er Jahre Reverenz »The Big Lebowski« reicht das so ganz unterschiedliche Panoptikum, in dem die skurrilen Charaktere agieren.

Auf den ersten Blick fällt es schwer, Gemeinsamkeiten in den Filmen – bestimmt vom unberechenbaren Stilwechsel – zu sehen. Doch Annette Kilzer und Stefan Rogall zeigen sie auf: So spielen die Coens geschickt in »Blood Simple« – gespickt mit fatalen Mißverständnissen – mit den Erwartungen des Publikums. In »Miller's Crossing« und in »Barton Fink« schaffen sie Kunstwelten, die in »The Hudsucker Proxy« mit dem Absturz in die Straßenschlucht ihren Höhepunkt finden: Alle Charaktere glauben, die Situation bestimmen zu können, scheitern aber letztendlich an ungeahnten Hindernissen. Das Buch bietet neben Essays zu den sieben Regiearbeiten, eine biographische Skizze, eine Analyse der Bildkomposition, ein aktuelles Interview zu »Big Lebowski« und ein Kompendium über den Coen-Mikrokosmos: von B wie The Barton Arms bis W wie White Russian. Am spannendsten sind die zahlreichen Querverweise.

Georg Seeßlen und Peter Körte hingegen konzentrieren sich auf die bilderfreudigen, verblüffenden Parallelen zwischen den Coen-Filmen und berühmten Werken der Filmgeschichte. So wird »Blood Simple« mit drei Versionen von »The Postman always rings twice« verglichen. Auffällig ist auch die Verwandtschaft von »The Hudsucker Proxy« zu den Filmen Capras. Und doch sind die Filme der Coens alles andere als ein phantasieloses Abkupfern. Ihnen gelingt nämlich »der Kunstgriff einer Trennung der Zitate von ihrer ursprünglichen Bewertung« (Daniel Kothenschulte, S. 159f). Und nach einem Ausflug in das so ganz eigene, von chassidischem Witz geprägte Coen-Country resümiert Seeßlen: »Ich glaube, daß diese Filme unter anderem von meinem Lieblingsthema handeln, davon daß man, um die Menschen zu lieben, die Gesellschaft hassen muß, in der sie leben.« (S.215) 1970-01-01 01:00

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