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Splatter Movies

Julia Köhne, Ralph Kuschke, Arno Mekeling: Splatter Movies – Essays zum modernen Horrorfilm Berlin 2005. Bertz und Fischer. 240 Seiten. 17,90 Euro

Schocker als Kunst

Von Katja Spranz Als Splatter bezeichnet man eine Art des Horrorfilms, bei der das Zeigen von extremer Brutalität und Blut im Vordergrund steht. Der Begriff Splatter setzt sich aus den englischen Wörtern »Splash« und »spatter« zusammen, welche beide »spritzen« bedeuten. Das englische Wort »Splatter« beschreibt lautmalerisch eine spritzende Blutfontäne. Filme, in denen zerfetzte Körper und viel Blut die Hauptrolle spielen, erhalten dieses Etikett. Der Sammelband diskutiert den Umgang mit Werken dieses Genres und seine Ästhetik. Splatterfilme brechen Tabus und schocken den Zuschauer und stellen so althergebrachte Normen in Frage.

Das Buch enthält neben zahlreichen soziologischen und psychologischen Abhandlungen Interviews mit Jörg Buttgereit und Christoph Schlingensief. Die Autoren reflektieren über die Bedeutung und Faszination des Splatterfilms, die nach wie vor ungebrochen ist, obwohl der Zuschauer in seinem ästhetischen Empfinden oft verletzt wird. Nach dem Ende der Vorstellung kann der Kinogänger beruhigt nach Hause gehen: Das alles ist nur auf der Leinwand passiert.

Die Essaysammlung geht thematisch vor: Medien und Ästhetik, Psychoanalyse und Gender, Blick und Ökonomie. Zuletzt wird auch Deutschland als Produktionsland von Splatterfilmen beleuchtet. Behandelt werden sowohl Stummfilmklassiker als auch zeitgenössische Horrorfilme. Diese werden sowohl unter psychoanalytischen als auch unter soziologischen Gesichtspunkten ausgeleuchtet. Interessant ist die Untersuchung der Reaktionen von Medien und Zensur auf die Tabubrechungen der Werke. Diese Betrachtungen entlarven die Bigotterie des Umgangs mit Kunst: Oft genug muß diese als Sündenbock (also angeblicher Urheber) gesellschaftlicher Mißstände herhalten. Die Macht verbietet der Kunst, die dogmatisch festgesetzten Werte zu verletzten und in Frage zu stellen, weil sie deren anarchistisches Potential fürchtet. 1970-01-01 01:00

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