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Gdinetmaó

Rainer Knepperges (Hrsg.): Gdinetmaó. Abweichungen vom deutschen Film. Berlin 2000. Maas Verlag. 191 S.
Von Thomas Waitz Die Liebe zum Kino – wie übermütig sagt sich das daher! Und doch ist sie ja etwas ganz anderes, als es die Liebe zum Film je wäre, weil mehr noch hinzukommt: die Stimmung des Tages, das Erleben im Dunkel, der Augenblick des Sehens. Am Ende bleibt dann gar nichts, was sich nach Hause tragen läßt, eingeklebte Eintrittskarten im Sammelalbum allenfalls. Oder das echte Barbara-Rütting-Vollkornbrot, ein Frusteinkauf, weil die ganze, Zitat-im-Zitat, »Misere des deutschen Films« doch gar nicht anders münden kann als in dick beschmierten Leberwurstbutterbroten. Rainer Knepperges hat aus Texten der Zeitschrift Gdinetmaó einen Sammelband von Aufsätzen zum Film gemacht, die ein fröhliches Hantieren mit durch nichts als aus persönlichen Vorlieben entstandenen Versatzstücken eint, eine irritierende Passage voller Entdeckungen. Zumeist sind die Stoffe nur kurze Etüden, und das macht sie um so eleganter.

Eine ganze Reihe von Texten zu siebenundneunzig Kommissar-Folgen, die man kaum »Inhaltsangabe« zu nennen vermag, und doch mehr mitzuteilen haben, als es eine solche je könnte, stehen so gleichberechtigt wie unverbunden neben Gesprächen mit Hartmut Bitomsky und Christian Petzold. »Das gesunde Maß sprengen«, gibt Knepperges im Vorwort als Marschziel aus, und er tut es mit einem erstaunten, manchmal kindlichen Blick auf das, was abseits und am Rande steht. »Man kann also in Deutschland auch als Außenseiter Filme drehen?«, wurde Will Tremper 1962 gefragt, und er antwortete: »Ich glaube, man kann in Deutschland nur als Außenseiter Filme drehen«. 1970-01-01 01:00

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