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Körpereinsatz

Welf Kienast/Wolfgang Struck (Hrsg.): Körpereinsatz – Das Kino der Kathryn Bigelow. Marburg 1999. Schüren. 176 S.
Von Natalie Lettenewitsch Den Spieß, daß Kathryn Bigelows Filme stets mit anderen Namen beworben werden, z.B. denen ihrer männlichen Darsteller oder Produzenten (James Cameron, Oliver Stone), könnte man umdrehen und behaupten: Das Spannendste an James Cameron sind seine Ex-Frauen. Als Produzentin (Gale Ann Hurd), Darstellerin (Linda Hamilton) und eben Regisseurin (Bigelow) haben sie jede auf ihre Weise höchst erfolgreich die »männlichen« Genres Action, Science Fiction, Horror und sogar Western unterwandert. Bigelow, die Sam Peckinpah als kinematographisches Erweckungserlebnis nennt und Action als »pure cinema« schlechthin versteht, wird von Schüren nun mit einer Monographie gewürdigt, und die fünf Autoren können sich rühmen, die erste wirklich umfassende Publikation zu ihr vorgelegt zu haben.

In erfreulichem Maße kommen sie dabei der von Bigelow stets deutlich formulierten Aufforderung nach, doch lieber über die Filme selbst zu sprechen, statt über die Frage, wie eine Frau überhaupt so gewalttätige Bilder hervorbringen und wie sie sich in einem männerdominierten Business durchsetzen kann. Ohne sich mit biographischem Klatsch aufzuhalten (Schüren und nicht Heyne eben), liefern sie ausführliche Filmanalysen, deren teilweise etwas penible Nacherzählungen der visuellen Detailverliebtheit der Regisseurin Rechnung tragen; hervorragend aufeinander abgestimmt und zugleich jede für sich aufschlußreich. Selbst dem aalglatten Blue Steel, ihrem vermutlich bekanntesten Film, von dem sie sich mittlerweile selbst distanziert, werden im Kontext des Gesamtwerkes interessante Aspekte abgewonnen. Am spannendsten jedoch zuvor die Verweise auf ihre kaum bekannte Frühzeit im New York der 70er, wo sie als bildende Künstlerin begann, um erst allmählich mit dem Experimentalfilm Set Up über den immer noch eher konzeptuellen The Loveless, den Weg aus einer selbstreflexiven Kunstwelt nach Hollywood zu finden – von der Negation zur Subversion.

Ein ergiebiges Interview von Gavin Smith mit Bigelow anläßlich des Kinostarts von Strange Days, den sie darin selbst als Synthese ihrer bisherigen Filme beschreibt, läßt sie am Ende selbst zu Wort kommen und u.a. mit ausführlichen technischen Erörterungen ihrer Kamera- und Lichtarbeit die Vorstellung von der »ausführenden Regisseuse« endgültig zunichtemachen. Die Filmographie im Anhang schließt leider die frühen Projekte, an denen sie als Drehbuchautorin bzw. Darstellerin beteiligt war, sowie ihre Fernsehproduktionen nicht ein, der Rest ist aus Layout-Gründen kaum lesbar und zudem fehlerhaft. Und noch eine pingelige Mäkelei zum Schluß, die sich in diesem Falle irgendwie aufdrängt: Drei Frauen und zwei Männer haben dieses Buch geschrieben, letztere beiden stehen auf dem Umschlag, warum auch immer. 1970-01-01 01:00

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