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Grundkurs Filmrhetorik

Klaus Kanzog: Grundkurs Filmrhetorik. diskurs film 9. München 2001. Diskurs Film Verlag. 224 S.
Von Alexander Schwarz Endlich ist es da, das Standardwerk zur Rhetorik des Films. Seit Jahrzehnten schwirrt der Begriff durch die Filmliteratur und Seminare, aber erst jetzt kann von einer systematischen Aufarbeitung die Rede sein. Zugrunde liegt eine Vorlesung des Germanisten und Filmwissenschaftlers Kanzog, in der er auf die jahrelangen Vorarbeiten in seiner »Münchner Schule« zurückgreifen konnte.

Nun gebührt ihm das Lob, mit diesem Buch alle wesentlichen rhetorischen Prinzipien und Arbeitsweisen des Films erstmals zusammengefaßt zu haben.

Zwar haben Christian Metz, Roger Odin, Roland Barthes, David Bordwell und zuletzt Anke-Marie Lohmeier bereits früher betont, wie fruchtbar eine an klassischer Rhetorik geschulte Analyse auch für das audiovisuelle Medium wäre – ohne großen Erfolg. Das hatte zwei Gründe: Einerseits weigerten sich Filmforscher wie Filmemacher beharrlich, in Rhetorik mehr als ein literarisches Phänomen zu sehen. Andererseits hat man es, wenn man auch die visuellen Äußerungen als »Sprechakte« betrachtet, mit einer unübersichtlichen Menge von Instrumenten, Methoden und Begriffen zu tun.

Klaus Kanzogs Verdienst ist es, in zehn Kapiteln zu demonstrieren, daß Filmrhetorik eigentlich der übergeordnete Begriff allen Filmemachens und aller Filmanalyse ist. Die Kapitel sind jeweils streng in »Leitsätze«, »Ausgangsdefinitionen«, »Weitere Überlegungen«, Filmbeispiele und eine Zusammenfassung gegliedert. Er untersucht dabei die Markierung und Funktion von Figuren und Instanzen, die verschiedensten Methoden filmischer Deixis, von Bewegung im Bild und des Bildes, Montage, Filmstil, visuelle Topoi, filmische Argumentation und die Rolle und Steuerung von Affekten. 37 Filmbeispiele – vom frühen Stummfilm bis Lola rennt, allerdings mit Schwerpunkt auf historischen Mustern und sicher nicht alle jedem Leser gleich präsent – illustrieren die Analyse. Sie ist durchgehend bebildert und in Kanzogs bewährt präziser Notation (Filmprotokolle) und Darstellung gehalten. Schnell wird klar, wie komplex der Aufbau und die Wirkungsweisen von Filmen sind.

Ohne bewegte Bilder und Töne allerdings, die hoffentlich irgendwann einmal auf CD-Rom solche Bücher begleiten werden, muß mit großem Aufwand und mit Abstrichen an die Lesbarkeit jeder Film »verschriftet« werden. Die Unmenge der Elemente, derer sich die Rhetorik des Films bedient, ist kaum zu behalten. Es wäre wünschenswert gewesen, an einem Filmbeispiel dann abschließend das ganze Instrumentarium noch einmal zu belegen – aber das wäre ein neues, ganz eigenes Buch geworden… 1970-01-01 01:00

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