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Hollywood Calling

Hans Kafka: Hollywood Calling. Die Aufbau-Kolumne zum Film-Exil. Hamburg 2002. ConferencePoint Verlag. 129 S.
Von Dietrich Kuhlbrodt Ein Buch zur rechten Zeit, Hardcover, prima ausgestattet, mit sauberen Illustrationen, und es geht um einen, der vor gut einem halben Jahrhundert in Hollywood patriotischer als die Patrioten gewesen war – und verzweifelte: an der Gewissenlosigkeit einer Politik, der es aller hehren Worte von Freedom and Democracy zu trotz um nichts als das Business gegangen war. Hans Kafka, das Gewissen der deutschen Film-Emigranten, kämpft in seinen Kolumnen, die 1941 bis 1947 in der deutsch-jüdischen Zeitung »Aufbau« (New York) erschienen, für eine Zukunft nach dem Nazireich ("Hollywood Calling – Hans Kafka Speaking"). Er scheitert.

Das »Best of« dieser Texte, jetzt erstmalig (englischsprachig) zusammengestellt, macht einen heißen Kopf. 1941 ist das F.B.I. noch klasse. Prompt verhaftet es die deutschen Emigranten mit Nazivergangenheit, ausgespäht von Hans Kafka, dem Emigranten aus Wien. Die Kolumnen sind vollgestopft mit Namen, mit Guten, mit Bösen. Geschrieben ist das locker, dem Gossip nicht fern. Gut zu lesen, gut zu erschließen. Das Register ist der Dietrich.

Unser Autor ruft 1941 auf, Kriegsanleihen zu zeichnen und in die California State Guard einzutreten. Weil das für Emigranten, die gleichzeitig feindliche Ausländer sind, einfach praktisch ist. Aber schon 1943 wird es schwierig. Für Hollywood ist der Krieg zu Ende. Jetzt muß das produziert werden, wozu man Emigranten nicht braucht. Unser Kolumnist ist fassungslos. »That cannot be all«, schreibt er am 15.10.1943. Er entdeckt, daß es Hollywood weder um politische Moral noch um innovative Kunst geht. Er erfährt, daß die Emigranten schon 1943 als unnütze Fresser verleumdet werden. Tief gekränkt wirft er der Populistin Hedda Gabler vor, im Hollywood Reporter Emigrantenhetze zu betreiben – genau auf die Tour wie Goebbels im Nazireich (der emigrantenfeindlichen Kampagne zufolge zockten die fremden Naziflüchtlinge in Hollywood Geld über Geld ab, während die einheimischen U.S.-Bürger arbeitslos waren).

Nach 1945 war es Hans Kafka, der arbeitslos wurde. Und die Hollywoodindustrie zog es vor, in Deutschland Geschäfte mit Naziverbrechern zu machen, statt sie zu bestrafen. »Nazi Business with a Future«, nennt das unser Ex-F.B.I.-Fan in der Kolumne vom 28. September 1945. 1970-01-01 01:00

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