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Blade Runner II

K.W. Jeter: Blade Runner 2. Zürich 1997. Haffmans Verlag. 254 S.
Von Olaf Adam Im Jahr 1982 wurde der Grundstein für den »Blade Runner«-Kult gelegt: Ridley Scotts detailbesessenes visuelles Meisterwerk mit der komplexen und verqueren Story floppte fatal.

Ein Grund für das trotzdem nachhaltige Interesse an »Blade Runner« ist sicherlich die Fülle an Ungereimt- und -geklärtheiten in der Handlung, die Freunden und Feinden des Films ein immenses Diskussionspotential geboten hat und noch bietet. Ist Deckard ein Replikant? Wer ist es nicht? Wird Rachael leben? Was ist mit dem ominösen sechsten Replikanten?

Genau an diesen loose ends setzt K.W. Jeters Roman »Blade Runner 2 – The Edge of Human« (1995) an, der jetzt im Haffmans Verlag in deutscher Übersetzung als »Blade Runner II« erscheint.

Das Buch des bekannten amerikanischen SF-Autors beginnt im Jahr 2020, also ein Jahr nach den im Film gezeigten Ereignissen. Deckard ist zusammen mit Rachael untergetaucht. Um die ihr eingebaute Lebenserwartung von vier Jahren auszudehnen, hält er seine Angebetete in einem Kälte-Tiefschlaf, aus der sie nur hin und wieder erwacht, um ein wenig Zeit mit ihm zu verbringen. Dieses höchst zweifelhafte Idyll wird gestört, als niemand anders als Sarah Tyrell, Erbin der Tyrell Corporation und Rachaels genetische Vorlage, das Versteck der beiden aufsucht, um Deckard wieder einmal für einen »letzten Auftrag« zu reaktivieren: Er soll den verbliebenen sechsten Replikanten »in den Ruhestand versetzen«. Da sie ihrem Wunsch mit Hilfe eines Trupps bewaffneter Sicherheitskräfte Nachdruck verleiht, kommt Deckard nicht umhin, den Auftrag anzunehmen.

Aus dieser Konstellation ergibt sich natürlich als treibende Kraft der Story die Frage, ob Deckard dieser sechste skin-job ist, und wenn nicht – wer dann? Dies wird ausgeweitet zu prinzipiellen Reflexionen über Menschliches und Nicht-Menschliches, doch alles in allem wirkt der Plot zu sehr auf die Beantwortung offener Fragen des Films hin konstruiert, um sich solch philosophischen Aspekten angemessen widmen zu können.

Das gilt auch für die industrielle Massenproduktion der Replikanten, über die eine Menge zusätzlicher Informationen gegeben wird, was zwar die Grundlage für interessante und überraschende Begegnungen bietet, deren soziale und ethische Implikationen jedoch nur recht oberflächlich, fast wie die pflichtbewußte Erfüllung einer Notwendigkeit behandelt werden.

Das Wort, das »Blade Runner II« am treffendsten beschreibt, ist »routiniert«, und genau darin liegt das größte Problem des eigentlich durchaus unterhaltsamen Romans. Die Präzision, mit der Jeter vermeintlich Unklares erklärt, Handlungsstränge und deren Überschneidungen konstruiert, Konflikte aufbaut und wieder löst, will einfach nicht zu »Blade Runner« passen, der seinen besonderen Reiz gerade aus der krassen Diskrepanz zwischen visuellem Perfektionismus und narrativer Unschärfe gewinnt. 1970-01-01 01:00

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