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Siodmak Bros.

Wolfgang Jacobsen / Hans Helmut Prinzler: Siodmak Bros. Berlin 1998. Argon Verlag. 438 S.
Von Jörg Prostka Ein geschlossenes Werk ist es nicht, das filmische Schaffen von Curt und Robert Siodmak. Zu groß sind die Brüche in der lebenslangen Produktion von 1929 bis 1978 (Curt Siodmaks letzter Film: als »Script Doctor« bei »Moonraker«!). Zu unterschiedlich sind die beiden Brüder. Die Retrospektive der diesjährigen Berlinale machte dieses Schmuckstück der Filmliteratur möglich.

Ein Film muß hervorgehoben werden. Am Anfang ihres Schaffens steht 1929/30 Menschen am Sonntag. Der semidokumentarische Film ist so etwas wie ein Fokus der Filmgeschichte. In der Siodmak-Monographie wird der Film immer wieder als Referenz für das spätere Schaffen gerade von Robert genannt. Hier sieht man den filmischen Expressionismus der Caligari-Epoche. Hier ahnt man bereits die filmische Entwicklung, die später Cinéma Vérité oder Film noir heißt.

Kernstück des Buches sind einerseits die Biographien von Wolfgang Jacobsen, andererseits in bewährter Form Essays zu beiden Siodmaks. Für die Filmgeschichte liefert Curt, der Autor, mehr Entdeckungen, z.B. war es sein Roman, aus dem die Ufa 1932 »F.P.1 antwortet nicht« machte. Nicht nur Curts Filme, sondern auch sein schriftstellerisches und publizistisches Schaffen wird vorgestellt. Norbert Grob reflektiert Curts Filme in den kulturhistorischen und literarischen Zusammenhang, der bis zum guten alten Goethe und dessen »Faust« zurückreicht: »Im Zentrum steht ohne Zweifel die Faszination paralleler Welten, das Interesse für die Dinge unter der Oberfläche…«.

Das zentrale Essay über Robert stammt vom Medienwissenschaftler Karl Prümm. Er beginnt mit dem Comeback des Regisseurs im BRD-Kino der 50er Jahre: Interessant sind die Bezüge von Nachts, wenn der Teufel kam oder die Die Ratten zu Menschen am Sonntag. Auch die europäischen Exil-Filme und natürlich die Schwarze Serie in Hollywood ("The Killers") fügen sich in dieses Muster.

Die ganze Tragik im Schaffen der Siodmaks bündelt sich übrigens in einem Satz Roberts aus seinen Memoiren: »Gelegenheiten in meinem Leben, an die ich oft denken muß: Ich habe einen Tag, nachdem Hitler an die Macht kam, Deutschland verlassen, bin einen Tag vor Kriegsausbruch nach Amerika gefahren, habe Hollywood ein Jahr, bevor CinemaScope erfunden wurde, aufgegeben und bin nach Europa zurückgegangen.« 1970-01-01 01:00

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