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Entsichert

Tom Holert / Mark Terkessidis: Entsichert. Krieg als Massenkultur im 21. Jahrhundert. Köln 2002. KiWi Verlag. 288 S. EUR 9.90
Von Sascha Seiler Mark Terkessidis und Tom Holert, zwei Autoren aus dem weiteren Spex-Umkreis, veröffentlichten 1996 mit »Mainstream der Minderheiten« die wohl aussagekräftigste Textsammlung zur Popkultur-Forschung der 90er Jahre. In ihrem neuesten Buch »Entsichert« deklarieren sie den Krieg zur »Massenkultur des 21. Jahrhunderts«, indem sie nach Cultural Studies-Manier die Rezeption von kriegerischem Handeln und ihre mediale Repräsentation im Kontext von individuellem Verhalten untersuchen. Eine der zentralen Thesen ist hierbei die Sozialisation durch filmisches Sehen, sowie deren Einfluß auf die Wahrnehmungsfähigkeit des Subjektes.

Da Cultural Studies für die Autoren ein Konglomerat an Perzeption von Alltagskultur impliziert, steht im Mittelpunkt ihrer Analyse der so genannte »Massenmedien-Akt«, der, beeinflußt von einer Massenmedien-Sozialisation das Verhalten von Individuen in Extremsituationen (etwa einer Flugzeugentführung) entscheidend prägt. Man agiere nicht mehr in einem von den realen Umständen vorgegebenen sozialen Raum, sondern passe sich, auf beiden Seiten, den Regeln eines fiktiven Medienraumes an. Daß dies auch die Perspektive gerade der amerikanischen Bevölkerung auf den 11. September maßgeblich beeinflußt, führen Holert und Terkessidis auf die filmische Darstellung von Kriegs- bzw. Extremsituationen zurück, von »Apocalypse Now« bis »Rambo«.

Die Thesen zur Manipulation durch die Kriegsberichterstattung sind zwar keineswegs neu, doch die Autoren gewinnen entscheidende Erkenntnisse aus der Tatsache, daß sie eine neue Sicht auf den medialen Raum gewinnen, weil sie ihn als individuell manipulierbar präsentieren, und den kollektiven Massenmedien-Akt in den Kontext von sozialisationsbedingten Verhaltensmustern stellen, die gerade durch die eindeutige Fiktionalität von Film und Fernsehen generationsübergreifend geprägt worden sind. 1970-01-01 01:00

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