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Pop Unlimited?

Christian Höller (Hrsg.): Pop Unlimited? Imagetransfers in der aktuellen Popkultur. Wien 2000. Turia + Kant. 174 S.
Von Natascha Kramer Es geht um das P-Wort: Pop. Und es geht um noch viel mehr; um Popkultur und Kulturproduktion, um Referenz und Selbstreferentialität, um Omnipotenz und Omni-Durchdringung.

Das poppige Lesebuch »Pop Unlimited?« erschien als geistiger Nachschlag der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen 2000. Dort diskutierte Höller, Kurator des Programmschwerpunktes, zum allgemeinen Stand der Popkultur, die als Frage formulierte Phrase, die dann durch Autoren erst belebt und beleuchtet wurde. So bietet das Buch – praktisch als Sahnehäubchen – das Oberhausener Mitternachtsgespräch Höllers mit Catherine David und Kodwo Eshun. Mit David, bekannt als Leiterin der documenta X, und dem Musikjournalisten Eshun stoßen fundiertes Wissen, eigene philosophische Betrachtungen und immer auch ganz viel Hip Hop, der Rock'n'Roll der Moderne, aufeinander.

Bemerkenswert ist sicherlich auch der Beitrag von Lars Henrik Gass, Leiter der Kurzfilmtage: »Was hat Popkultur mit (Kurz-)Film zu tun?« Die Antwort liegt im Unterschied: Differenz ist hier das Stichwort. Genauer: die gesellschaftliche Kommunikation von Unterscheidungsvermögen – und zwar in sozialer und in ästhetischer Hinsicht. Während Popimages früher bewußt identitätsstiftend eingesetzt wurden, bedient man sich ihrer heute mit einer fast schon zwanghaften Selbstverständlichkeit.

Pop ist heute genre-unspezifisch. Und die Extraktion von Pop im Film ist daher immer auch die Suche nach dem Auftreten von Differenz im Film. Für den Autor vor dem Hintergrund der etablierten Musikvideosparte in Oberhausen speziell in dieser.

Die anderen zehn Essays und Interviews dürfen selbstverständlich auch nicht unerwähnt bleiben: Da hinterfragen »Medienbeschäftigte« den allgegenwärtigen Begriff Pop – und geben ihm ganz neue Dimensionen. Denn seien wir mal ehrlich: Eigentlich ist unser Leben gelebter Pop. Diese Phrase als alles abdeckender Bereich wird so ihres verwaschenen Images endlich entledigt. Unter der schwammigen Oberfläche werden die Verbindungen zu Kunst und Film dargelegt, durch Dekontextualisierungen bilden sich neue Kontexte. Die Grenzenlosigkeit wird begrenzt. Aber dann? Kill Pop – oder was? 1970-01-01 01:00

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