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Mitternachtskino

J. Hoberman / J. Rosenbaum: Mitternachtskino. Kultfilme der 60er und 70er Jahre. St. Andrä-Wördern 1998. Hannibal Verlag. 319 S.
Von Dagmar Hotze »Ich erwarte von Filmen das, was Nordamerikaner von bewußtseinserweiternden Drogen erwarten«, sagte der Theaterregisseur und Profi-Avantgardist Alexandro Jodorowsky. Dasselbe könnte man von Büchern erwarten, und wer sich das Buch »Mitternachtskino – Kultfilme der 60er und 70er Jahre« wohldosiert verabreicht, wird wahrlich nicht enttäuscht werden. In zehn Kapiteln widmen sich die Autoren den Ikonen des Kultfilms.

Der gesellschaftspolitische Kontext, in dem die Filme oftmals entstehen, wird dabei nicht außer acht gelassen. Mit der »Geburt des Rocky Horror« erwacht der Kultfilm zum Leben und stellt die bis dahin gekannten Werte der Zuschauer und des Kinos auf den Kopf. Es gilt, die Tabus der Darstellung von Sexualität, Erotik und Gewalt im Mainstreamkino zu brechen. Das Abseitige und Andersartige wird in all seinen Facetten gezeigt. Künstler wie Andy Warhol, Jack Smith und Kenneth Anger treiben den Underground-Film voran, der anderen wiederum den Weg ebnet, z.B. John Waters, der uns in seinen Werken Pink Flamingos oder Female Trouble »die widerlichsten Menschen der Welt« vorstellt. Ein ganzes Kapitel gehört dem bereits erwähnten Alexandro Jodorowsky, der mit El Topo und Montana Sacra Filme geschaffen hat, »die man nur um Mitternacht zeigen kann, da sie zu intensiv sind für jede andere Uhrzeit«.

In den späten 60er Jahren wird aus der Kinogegenkultur eine Jugendkultur, die sich stetig mit anderen Medien, z.B. mit Comics und Rock'n'Roll-Musik, vermischt. Das Autokino wurde zur Kathedrale der zumeist jugendlichen Filmbesucher. George Romero ist einer dieser Jugendlichen, dessen Filme Night Of The Living Dead und Zombie – Dawn Of The Dead später Furore machen und in diesem Buch unter die Lupe genommen werden.

David Lynch findet mit seinen Meisterwerken Eraserhead und The Elephant Man ebenfalls ausführliche Beachtung. Das vorletzte Kapitel beschäftigt sich thematisch mit Drogen, Fummeln, Camp, Punk, Gedärmegeschmeiß (!) und Agitprop. Damals konnte niemand ahnen, daß sich aus diesen Phänomenen die Avantgarde der 80er und 90er Jahre entwickeln würde. Ohne die Midnight Movies wären Werke von Quentin Tarantino, Peter Jackson oder Christoph Schlingensief nicht denkbar. 1970-01-01 01:00

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