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Geschichte des britischen Films

Jörg Helbig: Geschichte des britischen Films. Stuttgart 1999. Metzler. 334 S.
Von Thomas Warnecke “Man könnte sich fragen, ob nicht die Begriffe Kino und England unvereinbar sind”, überlegte François Truffaut im Gespräch mit Alfred Hitchcock, den er neben Charlie Chaplin für das einzige Genie hielt, den das britische Kino hervorbrachte. Genie hin, englisch-französische Haßliebe her, unstrittig ist, daß das Filmland Großbritannien in den 90ern den stärksten Eindruck im europäischen Kino hinterlassen hat. Es gelang auf der einen Seite, das Wort “sozial” aus pädagogischer Umklammerung zu lösen, andererseits schien es einem Autor zu gelingen, Bond als Synonym für britisches Kino abzulösen: William Shakespeare lieferte die Vorlage für zahlreiche Kassenschlager.

Dabei waren die theatralisch-literarischen und, im Werk von Charles Dickens schon im 19. Jahrhundert angelegten sozialen Traditionen von den etwas verschlafenen Anfängen an eine der wichtigsten Inspirationsquellen des britischen Films; bis heute sichtbar daran, daß viele Drehbuchautoren auch namhafte Dramatiker waren und sind, etwa Harold Pinter oder Tom Stoppard. Ebenso legt das gediegene, bisweilen etwas staubige “Heritage Cinema” mit den zahllosen Jane Austen-, E.M. Forster- und Thomas Hardy-Adaptionen beredtes Zeugnis ab von der Traditionsliebe englischer Filmemacher.

Auch der Autor der “Geschichte des britischen Films”, Jörg Helbig, ist von Haus aus Literaturwissenschaftler, doch ist es ihm gelungen, neben den konservativen literarischen auch die visuell progressiven Richtungen im britischen Kino herauszuarbeiten.

Auch in England wucherten die Genres und Serien, es gab eine Blüte der Studioepoche, Persönlichkeiten wie Carol Reed und David Lean sitzen längst im Olymp der Filmgeschichte, Monty Python ist mittlerweile zum Inbegriff britischen Humors geworden, und dem neben dem Kriminalfilm zweiten großen englischen Genre des Agentenfilms entsprang die erfolgreichste Serie der Filmgeschichte: James Bond. Naturgemäß gibt es bei den bekannteren Phänomenen am wenigsten Neues zu lesen, wie der Autor überhaupt seine Geschichtsschreibung eher auf Namen und Fakten als auf Analyse stützt. Doch er hat reichlich Material zusammengetragen; gut lesbar, oft anekdotisch unterfüttert, ist das Buch eine brauchbare Basis für einen Einstieg in die oft vernachlässigte Filmgeschichte von Cool Britannia. 1970-01-01 01:00

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