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Demnächst in ihrem Kino

Vinzenz Hedinger, Patrick Vonderau: Demnächst in Ihrem Kino. Grundlagen der Filmwerbung und Filmvermarktung. Marburg 2005. Schüren Verlag. 431 Seiten. 24,90 Euro.

Vom Drehbuch bis zur Leinwand

Von Maike Damm So zukunftsweisend ist der Titel »Demnächst in Ihrem Kino«, daß die historische Orientierung des ersten Teils des Sammelbandes zunächst überrascht, wenn Filmwerbung und Filmvermarktung bis zu ihren Anfängen in die 1890er Jahre verfolgt werden. Trotz dieser enormen zeitlichen Bandbreite ist es den Autoren gelungen, ein umfassendes Gesamtwerk zu schaffen, das sowohl Theorie als auch methodische Praxis beleuchtet und dabei immer wieder auf die enge Verflechtung von ökonomischen und werbepsychologischen Elementen verweist. So wird der Film nicht allein im wirtschaftlichen Verständnis als »Ware« definiert, sondern als »Ganzes« verstanden, in seiner Identität als »Kunst« begriffen und nicht aus dem kulturellen Zusammenhang herausgelöst. In diesem Sinne wird unter anderem auch der Soziologe Max Weber zitiert, wenn es darum geht, den Film und seine Vermarktung im internationalen Vergleich darzustellen. »Demnächst in Ihrem Kino« setzt inhaltlich am großen amerikanischen Kino an, zieht aber kontinuierlich den direkten Vergleich zum europäischen, insbesondere zum deutschen und französischen Kino.

Über den Sachbuchcharakter hinaus bietet die Lektüre aufgrund zahlreicher ausgeschmückter Anwendungsbeispiele einen ausgeprägten Unterhaltungsfaktor. Der Weg des Films vom Drehbuch über Produktion, Verleih und Journalist auf die Leinwand läßt reichlich Raum für Verkaufstricks, die Produkt und Zuschauer in Kontakt bringen sollen. Recht anschaulich werden einzelne Instrumente wie Making-of-Film, Soundtrack oder Fernsehtrailer auf ihre Wirkung hin untersucht und anhand von Bildmaterial und statistischen Auswertungen veranschaulicht. So viele Ideen und Innovationen, die die Kinowerber – insbesondere der Gimmick-Meister William Castle – seit ihren Anfängen hervorgebracht haben, werden detailverliebt vorgestellt, daß der durch die Zeilen dringende Schrei nach den kreativen Köpfen von einst kaum zu überhören ist. 1970-01-01 01:00

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