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Kultserien im Fernsehen

Christian Haderer / Wolfgang Bachschwöll: Kultserien im Fernsehen. München 1996. Heyne Verlag. 432 S.

Betthupferl für 50 Nächte

Von Dirk Steinkühler Die Notwendigkeit, Fernsehserien in einem 430 Seiten starken Buch zu betrachten, ergibt sich bereits aus dem Klang so fernsehgeschichtsträchtiger Titel wie »Raumschiff Enterprise« oder »Mit Schirm, Charme und Melone«. Ganze Generationen von Zuschauern erhoben die Helden und ihre Serien zu Kultobjekten; Christian Haderer und Wolfgang Bachschwöll widmen fünfzig von ihnen ein Buch.

Wer genaue Analysen und komplexe Inhaltsangaben erwartet, sei gewarnt: Die beiden Autoren werfen in kurzen Kapiteln einen Blick auf kuriose Geschichten und kultige Charaktere, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Sie versammeln Skurriles aus der »Addams Family« und aus »Cicely«, Spaßiges von »Alf« und den Bundys oder Liebenswertes über »Columbo« und die »Golden Girls«. Wiederkehrende Rubriken wie »Starke Sprüche« und »Unsterbliche Momente« bieten zum Teil Originalzitate in englischer Sprache oder im Dialekt. Dazu gibt es jede Menge Informationen für Insider, über Produktionsbedingungen, die Ergüsse der Merchandising- und Videoproduktion sowie teilweise komplette chronologische Titellisten aller Einzelfolgen. Eindeutiger statistischer Hit: 111 Folgen Miami Vice.

Bedauerlich bleibt anzumerken, daß Haderer und Bachschwöll ihre Qualität nicht konsequent bis in den Schlußteil hinein durchhalten und sich zunehmend in Belanglosigkeiten ergehen. So reicht das Kapitel zur Serie »Moonlighting« nicht über den üblichen Willis / Shepherd-Klatsch hinaus.

Doch bedauerlicher ist, daß der Leser weder etwas über ihre Auswahlkriterien erfährt noch durchschaut, warum wichtige Kultserien wie »Remington Steele«, »Magnum« oder »Quincy« fehlen.

Was am Ende bleibt, sind einige nette Details, eine Menge Klatsch, viele Fakten und noch mehr Zahlen.
À propos Kultserien: Anläßlich eines Proseminars zum Mikrokosmos Kleinstadt in amerikanischen Fernsehserien im Sommersemester an der Ruhr-Universität Bochum gibt es in der nächsten Ausgabe eine Nachbetrachtung zu den Serien »Twin Peaks« und »Picket Fences«. 1970-01-01 01:00

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