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Zwischen Licht und Schatten

Norbert Grob: Zwischen Licht und Schatten. Essays zum Kino. St. Augustin 2002. Gardez! Verlag. 326 Seiten. EUR 24.95

Die emotionale Ausdruckskraft des Mediums

Von Daniel Albers »Zwischen Licht und Schatten« spielt sich alles ab, wenn ein Film auf die Leinwand projiziert wird, wodurch dieser Gegensatz zur treffenden Umschreibung für das Medium Kino wird. Norbert Grob hat unter diesem Motto eine beträchtliche Reihe von Aufsätzen unterschiedlichster Themenwahl aus einem Jahrzehnt eigenen publizistischen Schaffens zu einem Band zusammengestellt, der trotz seiner etwas eintönigen Gestaltung durchgängig sehr gut lesbar ist.

Nach einer kurzen Einführung mit Überlegungen zum Wesen und Nutzen der Filmkritik werden drei große Themenkreise aufgespannt, die sowohl Filmästhetisches und -technisches als auch -geschichtliches umfassen. Am interessantesten wird Grob, wenn er seinen Kenntnisreichtum und seine Beobachtungsgabe ausspielt, indem er motivische Verknüpfungen über Epochengrenzen hinweg aufzeigt oder bestimmte Genres ausführlich unter die Lupe nimmt. So verweist er auf allgemeingültige Paradigmen des Filmmelodrams, spürt dem Stil des Film noir nach (wie überhaupt die Suche nach Stilen ein großes Anliegen Grobs zu sein scheint) und vergleicht prometheische Geschöpfe in der gesamten Filmgeschichte von Wegeners »Golem« bis Jeunets »Alien – The Resurrection«.

Mitunter kann die Lektüre auch amüsant werden, wie zum Beispiel wenn der Autor Frieda Grafe zitiert, die einmal über mögliche Einstellungen zum Melodram gesagt hat: »Entweder man heult oder man kotzt.« Wie die vor einigen Jahren verstorbene Kritikerlegende hegt auch Grob, so wird bei einem Blick über die Essays deutlich, eine Schwäche für das Werk Fritz Langs wie auch für die filmhistorische Periode seines bedeutendsten Wirkens vom Weimarer bis zum Nachkriegskino im allgemeinen. Auch das vom deutschen Regiemeister mitbegründete Genre des Kriminalfilms bzw. Thrillers liegt auffällig im Focus der Aufsatzsammlung, deren Glanzstück sich mit der Musikalität der Inszenierung bei Alfred Hitchcock beschäftigt.

Unter anderem durch die häufig klare Kennzeichnung der zentralen Thesen, die sinnvolle Akzente setzt, rückt Grob seine Ausführungen in punkto Nachvollziehbarkeit an angloamerikanisches Niveau heran, ohne dabei jemals in reine Unterhaltungslektüre zu verfallen. Auch läßt er die für jede fruchtbare Beschäftigung mit dem Medium notwendige Passion für dessen emotionale Ausdruckskraft immer wieder durchblicken, die Fritz Lang einmal in einer schönen Frage auf den Punkt gebracht hat: »Haben wir vor dem Film gewußt, wieviel das Zucken eines geschlossenen Mundes, das Heben und Senken eines Augenlides, das leise Sichabwenden eines Kopfes auszudrücken vermögen?« 1970-01-01 01:00

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