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Fritz Lang

Guntram Geser: Fritz Lang – Metropolis und Die Frau im Mond. Meitingen 1996. Corian Verlag Heinrich Wimmer. 183 S.
Von Dirk Steinkühler Luis Buñuel nannte Fritz Langs »Metropolis« »das herrlichste Bilderbuch«, für die UFA bedeutete der Film den größten finanziellen Flop der 20er Jahre. Langs nachfolgendes Science-Fiction-Werk »Die Frau im Mond« war hingegen, abgesehen von der Phantasie der Technik, dramaturgisch konventioneller, avancierte dafür aber zum erfolgreichsten Film der Kinosaison 1929/30. Fritz Lang vertrat konsequent das Konzept des UFA-Produktionsleiters Erich Pommer, der mit spektakulären Großproduktionen auf den Weltmarkt drängen wollte und seinen Regisseuren fast unbeschränkte finanzielle Mittel und künstlerische Freiheit verschaffte.

Guntram Geser spürt in seinem Buch den künstlerischen und wirtschaftlichen Aspekten der beiden Lang-Filme nach und ordnet sie in den gesellschaftlichen Kontext der ausgehenden Weimarer Republik ein. Kompakt und prägnant stellt Geser Analyseansätze verschiedener Kritiker oder Filmwissenschaftler vor, so z.B. Kracauers Vorwurf, »Metropolis« überfordere seine Zuschauer mit übercodierten Bildern und sei in der formalen Gestaltung oberflächlich. Andere führen das Scheitern des Films beim Publikum auf Langs Abkehr von den bildungsbürgerlich gefärbten Filmerfolgen der damaligen Zeit zurück, denen er mit »Die Frau im Mond« und der nahenden Realität einer Raumfahrt wieder näherrückte.

Zudem zeigt Geser das hervorragende Zusammenspiel zwischen Lang und seiner Ehefrau Thea von Harbou, die die Drehbücher zu beiden erwähnten Filmen schrieb. Sie gliederte das Skript bereits nach »Film-Bildern«. Einen Schwerpunkt der Kritik bildet die Diskrepanz zwischen Langs Beherrschung der Filmtechniken und seiner nachlässigen Schauspielerführung. In weiterführenden Kapiteln beleuchtet Geser interessante Randaspekte wie Langs Medienkritik und seine Entwürfe einer Zukunftsstadt, das insbesondere in »Die Frau im Mond« positive Verhältnis zwischen Mensch und Maschine und vergleicht Themenkomplexe der beiden Filme mit denen zeitgenössischer Science-Fiction-Literatur. Ausgespart bleibt allerdings eine Auseinandersetzung mit dem Vorwurf faschistischer Tendenzen in »Metropolis«, da Geser lediglich erwähnt, Hitler und Goebbels hätten den Film geschätzt.

Insgesamt geht Gesers Betrachtung des Science-Fiction-Genres weit über die übliche Faszination für Zukunftstechniken und -visionen hinaus, indem er sozialgeschichtliche Aspekte aufgreift und die Filme aus seiner Produktionsrealität heraus erklärt. 1970-01-01 01:00

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