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Alles wird gut

Margit Frölich, Reinhard Middel, Karsten Visarius (Hrsg.): Alles wird gut. Glücksbilder im Kino. Arnoldshainer Filmgespräche 20. Marburg 2003. Schüren Verlag. 212 Seiten. 16,90 Euro

Glücksmoment

Von Michael Leuffen Mit dem Glück im Kino ist es so eine Sache. Man nimmt es an, da die Bilder und die Tonspur im Moment der erlebten Bildabfolge ihre Wirkung erzielen und die nicht zu kontrollierende Psyche erregen. Dabei muß Glück nicht immer gleichgesetzt sein mit Lachen oder Wohlgefühl. Ein Film wie Almodóvars Hable con ella suggeriert auch Glück, nur im melodramatischen Sinne.

Der neue Band der traditionsreichen Arnoldshainer Filmgespräche beschäftigt sich nun mit dem Glücksgefühl im Kino aus diversen Perspektiven. Dabei stehen Fragen wie »Worin liegt das Glück der gelungenen Erzählung im Kino«, »Wie spielen Glücks-Filme mit den Emotionen der Zuschauer« oder »Wie werden in der Mediengesellschaft Vorstellungen und Ideen vom Glück durch Medien geprägt« im zentralen Mittelpunkt der philosophischen, psychologischen, theologischen, kulturanthropologischen und filmwissenschaftlichen Betrachtungen von Autoren wie Karsten Visarius, Jan Distelmeyer oder Margit Frölich.

Letzterer gelingt es zum Beispiel, Todd Solondz' preisgekrönte Sittenkomödie Happiness durch die Brille der Frankfurter Schule und Lacanschen Psychoanalyse fruchtbar zu interpretieren. Mittels einer sehr filmtextnahen Betrachtungsweise entwirft sie dabei eine schlüssige, psychoanalytische Lesart des doppelbödigen Glückskonstrukts des Films, das sich vor allem durch seine differenzierte, pessimistische Haltung gegenüber der amerikanischen Kultur auszeichnet. Zudem unterstreicht Frölich mit ihrem Aufsatz, daß die psychoanalytische Sicht auf einen Film nach wie vor einen nicht wegzudenkenden Stellenwert in der Filmwissenschaft besitzt, dessen Erkenntniswert weit über das geglaubt Gesehene hinausreicht. Ähnlich differenziert werden hier zudem Filme wie Wayne Wangs »Smoke« oder Frank Capras »It's A Wonderful Life« betrachtet.

Besonders dank dieser sehr filmnahen Bestandsaufnahme zum Phänomen »Glück im Kino« gelingt es der zwanzigsten Ausgabe der Reihe, eine Perspektive zum nie genau zu definierenden Glückserlebnis im Kinosaal zu entwickeln, die längst überfällig war. Und so ist der neue Band der Arnoldshainer Filmgespräche ein kleiner, glücklicher Moment für die Filmwissenschaft, die sich ja leider besonders im allgemeinen publizistischen Sinne in letzter Zeit auf dem Buchmarkt zuweilen auf nicht sehr ergiebigem Terrain bewegte. 1970-01-01 01:00

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