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Schrift und Bild im Film

Hans-Edwin Friedrich/Uli Jung (Hrsg.): Schrift und Bild im Film. Aisthesis Verlag. 217 Seiten. 17.50 EUR
Von Thomas Waitz Eine verstärkte theoretische Aufmerksamkeit gegenüber Bildern, die das bisher vorherrschende linguistische Modell abzulösen scheint – das ist die wohl entscheidende Beobachtung, die W.J.T. Mitchels These des sich in den Human- und Kulturwissenschaften vollziehenden »pictoral turn« zugrunde liegt. Welche Bedeutung aber kommt innerhalb einer Visuellen Kultur der graphischen Realisation von Sprache, der Schrift, zu?

Die Autoren des nun vorliegenden Tagungsbandes »Schrift und Bild im Film« leisten, ohne einen übergreifenden theoretischen Rahmen anbieten zu können, eine Untersuchung visueller Repräsentationen des Kommunikationssystems »Schrift« im Film. Dies geschieht überwiegend in Form von mal mehr, mal weniger aufschlußreichen Einzelanalysen. Dabei sind vier Schwerpunkte der Auseinandersetzung zu erkennen: vom chronologischen Überblick über die Frage nach der Schrift als intradiegetischem Element, der Analyse experimenteller Schriftfilme bis hin zur Beschäftigung mit Schrift als subsidiärem Element.

Lohnenswert erscheinen dabei insbesondere letztere, an paratextueller Verwendung interessierten Beiträge, wie etwa Michael Schaudigs Aufsatz »Flying Logos in Typosphere«. Er unternimmt den Versuch, ausgehend von einer phänomenologisch orientierten Betrachtung des graphischen Titeldesigns filmischer Credits, terminologische und systematische Grundlegungen zu schaffen. Sein Fazit: Die Entwicklung des Titeldesigns führe von der rein semantischen und semiotischen Dimension der Schrift zu »Ikonokinetogrammen« einer ikonisierten und animierten Typographie.

Henrik Gottlieb beschäftigt sich, wie auch in Schnitt 21, auf äußerst anregende Weise mit der Praxis und den Fallstricken der Visualisierung filmischer Dialoge, den Untertiteln. Vinzenz Hediger geht auf »Schrift und Typographie in Kinotrailern« ein, insgesamt ein lohnenswerter Exkurs zu seiner umfassenderen, stärker historisierenden Studie zum selben Thema, der die prinzipielle Verschränktheit der Systeme Ton, Bild und Schrift deutlich werden läßt. 1970-01-01 01:00

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