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Leni Riefenstahl

Filmmuseum Potsdam (Hrsg.): Leni Riefenstahl. Katalog zur Ausstellung im Filmmuseum Potsdam. Berlin 1998. Henschel Verlag. 248 S.
Von Claus Löser Nun ist es vollbracht: Frau Riefenstahl hat ihre erste große Einzelausstellung in Deutschland ausgerichtet und weilte sogar, nach anfänglichem Geziere, für einen Pressetermin vor Ort.

Es gab keine Anschläge autonomer Gruppen, die jüdische Gemeinde hat nicht protestiert, selbst im Blätterwald legte sich die potentielle Aufregung recht bald. Eine ganz normale Ausstellung also? Keineswegs. Gerade der demonstrative Gestus des Selbstverständlichen spricht Bände von der nach wie vor vorherrschenden Hilflosigkeit im Umgang mit diesem heiklen Kapitel unserer nationalen Filmgeschichte. Das mehrfach angeführte Argument z.B., Leni Riefenstahls Filme allgemein und Triumph des Willens speziell seien in aller Gänze betrachtet eigentlich langweilig und würden den Mythos um sie gar nicht rechtfertigen, ist nicht nur falsch, sondern verweist wiederum nur auf den naiven Wunsch nach historischer Versöhnung. Mit dem vorliegenden Katalog als Grundlage bietet sich zumindest Gelegenheit, die offen gebliebenen Fragen wieder und wieder zu stellen.

Reichlich Bildmaterial, die akribisch erstellte und bündig kommentierte Filmographie mit Quellenverweisen sowie eine Reihe von Artikeln zu Lebensweg und Ästhetik der Künstlerin machen den Band unbedingt zum Grundlagenwerk – obwohl leider Namens- und Titelregister fehlen. Einen wirklich unverstellten und somit innovativen Zugang zum Werk Riefenstahls liefert allerdings nur der Beitrag Georg Seeßlens, der unter der Überschrift »Blut und Glamour« an den Schluß des Buches gestellt wurde. Seeßlen erstellt zunächst einen Katalog pop-ästhetischer Wirkungsphänomene, um dann das Œuvre Leni Riefenstahls mit diesem abzugleichen. Sein Fazit gipfelt in Sätzen wie: »Die Kälte ist nicht der Fehler, sondern das Wesen der Riefenstahl-Filme, sie sind perfekt, aber unbewohnbar, aus ihnen ist Glamour, aber keine Heimat, Faszination, aber keine Geborgenheit zu gewinnen.« Und: »Das Konzept dieser Ästhetik ist die Gleichgültigkeit, ein Blick der Selektion statt des Mitleids.« Die Diskussion darüber, ob das umstrittene Œuvre der mittlerweile greisen Frau Ausdruck einer Moderne oder Anti-Moderne ist, kann hier ihren Anfang nehmen. 1970-01-01 01:00
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