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Die Postmoderne im Kino

Jürgen Felix (Hrsg.): Die Postmoderne im Kino. Ein Reader. Marburg 2002. Schüren Verlag. 320 S. EUR 19.80
Von Michael Leuffen Von Peter Greenaways Historien-Kunst-Rätsel-Krimi »The Draughtman's Contract« (1982) über Quentin Tarantinos Kultklassiker »Pulp Fiction« (1994) bis zum Neo-Film-Noir The Man Who Wasn't There (2001) der Brüder Joel und Ethan Coen: Das Versatzspiel mit Motiven aus dem Arsenal der Bildergeschichte aller Medien war und ist immer noch eines der innovativsten Narrationsmodelle des Kinos.

In den späten 80er und frühen 90er Jahren genoß diese als postmodern bezeichnete Erzählform ihren konjunkturellen Höhepunkt und wurde allerorts als das zukünftige Kinomodell hofiert. Das Spiel mit den Zeichen und den Zuschauern war damals nicht nur bei den Kinogängern beliebt, auch die internationale Film- und Medientheorie widmete sich dem neuen Bildeklektizismus und seiner Bedeutungsvielfalt mit zahllosen Debatten.

Der Mainzer Filmwissenschaftler Jürgen Felix editierte jetzt die wichtigsten Aufsätze der Ära und neue Beiträge zum postmodernen Kinodiskurs mit seinem Band »Die Postmoderne im Kino« zu einem Reader ohne Beliebigkeit. Einstieg in den Themenbereich liefern zunächst zwei Aufsätze der Semiotiker und Medientheoretiker Umberto Eco und Jean Baudrillard aus der Mitte der 70er Jahre, die sich anhand des Films »Casablanca« und der Darstellung von Geschichte im Kino mit den vielschichtigen Bedeutungsebenen des Filmbilds im allgemeinen und speziellen auseinandersetzen.

Die theoretischen Grundelemente der hier gelegten Spuren und Fährten ziehen sich anschließend durch alle weiteren Aufsätze des Buches. Beiträge wie Thomas Elsässers »American Graffiti. Neuer Deutscher Film zwischen Avantgarde und Postmoderne« oder E. Ann Kaplans »Feminismus und Postmoderne. MTV und alternative Videokunst von Frauen« bearbeiten dabei allgemeine, sowie jenseits der Kinoleinwand gelegene postmoderne Diskursfelder.

Demgegenüber gewähren Aufsätze wie Klaus Kreimeiers »Banalitäten in gewohnter Intensität? Wild At Heart – Zum Problem der Grenzüberschreitung in der medial codierten Wirklichkeit des Film« eine Filmanalyse im Sinne des postmodernen Bezugschaos' von Bildern und leisten dabei mit analytischem Scharfsinn Einblicke in einzelne Werke.

Insgesamt eine längst überfällige Sammlung von essentiellen und bedeutungsvollen Aufsätzen zu einem Kino, das in Zeiten der international zelebrierten Einfältigkeit nur noch am Rande des Mainstreams seine visuellen und narrativen Spielereien betreibt. 1970-01-01 01:00

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