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Kino des Orients

Amin Farzanefar: Kino des Orients. Stimmen aus einer Region. Schüren Verlag. Marburg 2004. 272 Seiten. 19,90 Euro.
Von Michael Leuffen Ob das ägyptische Massenkino mit seinen lauten und bunten, an Bollywood erinnernden Musikszenen oder das iranische Kino mit seiner meditativen, poetisch ruhigen Bildersprache: Orientalisches Kino ist bis dato ein im Westen oftmals marginal repräsentiertes Kulturgut. Das vom Kölner Film- und Kulturjournalisten Amin Farzanefar verfaßte Buch »Kino des Orients. Stimmen aus einer Region« wagt nun einen differenzierten Blick auf die Filmszene des Nahen und Mittleren Ostens.

Als Kenner und Spezialist der Szene gewährt der gebürtige Iraner dabei einen äußerst tiefen Eindruck von der Seele eines Kinos, das nach mehr strebt als nach reiner Attraktion. Denn statt sich nur auf die Kopie westlicher Genres zu beschränken, wird in der Türkei, im Iran, in Tunesien, Marokko, Ägypten, Palästina und sogar Afghanistan auch ein Kino geboten, das sich inhaltlich und ästhetisch mit gesellschaftlichen Tabus, Emanzipation, Religion, Bräuchen, ethnischen Konflikten, Globalisierung und regionaler Identität beschäftigt. Farzanefar vermeidet es dabei, das bunte, nicht auf einen kulturellen Nenner zu bringende Treiben in einem klassischen filmhistorischen Text darzustellen. Vielmehr widmet er sich einzelnen Regisseuren, die mit ihrer Arbeit für ihr Land oder ihre jeweilige Region einen besonderen Stellenwert einnehmen.

In Form von Interviews, denen eine kleine Einführung zum Werk des jeweiligen Filmemachers vorangestellt ist, werden so die Vielfalt und die unterschiedlichen kulturellen Beweggründe von Künstlern wie dem Ägypter Atef Hetata oder dem Iraner Bahman Ghobadi interessant lesbar herausgestellt. Im letzten Teil widmet sich der Autor noch dem Kino der Migration. Hier stellt er mit dem Schweizer Samir, den in Europa lebenden Iranern Solmaz Shabazi und Tirdad Zolghadr und dem Hamburger Fatih Akin vier Regisseure vor, die aus der Ferne heraus Blicke auf ihre jeweilige Heimatkultur werfen und sie durch die Brille des europäischen Wertesystems kritisch und liebevoll betrachten. Insgesamt vermittelt das Buch so eine facettenreichen Darstellung einer Filmkultur, die besonders hiesigen Kinogängern ein neues, bis dato kaum vermitteltes Bild einer Region gewährt, die augenblicklich oftmals unter falschen Gesichtspunkten im Fokus des weltweiten Interesses steht. 1970-01-01 01:00

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