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Ed Gein

Michael Farin / Hans Schmid: Ed Gein. A Quiet Man. München 1996. Belleville Verlag. 389 S.
Von Thomas Kerpen Dann hauste das Grauen nicht in dem Haus, sondern in seinem Kopf«, stellt Lila Crane am Ende von Robert Blochs 1959 entstandenem Roman »Psycho« fest. Blochs Buch und Hitchcocks extrem populärer Film markierten einen Umbruch im Horrorgenre, weg vom überirdischen Monster, hin zum Monster in uns. Sie waren der erste Versuch, das tatsächliche Grauen, das Sheriff Schley und Captain Schoephoester 1957 beim Besuch von Ed Geins einsamen Farmhaus erfaßt haben mußte, in eine fiktive, massenkompatible Form zu pressen.

Seitdem ist der Fall des kauzigen Farmers aus Wisconsin, der nach dem Tod seiner extrem dominanten Mutter sein Domizil mit Leichenteilen dekorierte und schließlich mehrere Frauen umbrachte, aus den Annalen populärer Kultur nicht mehr wegzudenken. Regisseure und Drehbuchautoren pflegten meistens einen lockeren Umgang mit dem historischen Original und beschränkten sich auf grausige Teilaspekte des Falls, deren blutrünstiger Charakter das Publikum ins Kino locken sollte.

Während »Deranged« versucht, mit pseudodokumentarischem Eifer die wahren Begebenheiten abzubilden, stellt Hoopers »Kettensägenmassaker« Geins Leichenfledderei in den Vordergrund seiner Betrachtungen einer Kannibalenfamilie. Nach wie vor sind die Geinschen Alptraumwelten ein scheinbar unerschöpflicher Quell der Inspiration, insofern stellt dieser Reader mit unterschiedlichsten Autoren eine ideale und relativ umfassende Möglichkeit dar, sich mit den realen Dimensionen und den Auswirkungen dieser inzwischen zur Kultfigur avancierten bedauernswerten Kreatur auf unsere Kulturindustrie auseinanderzusetzen. 1970-01-01 01:00

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