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Aki Kaurismäki

Ralph Eue, Linda Söffker (Hg.): Aki Kaurismäki. Berlin 2006. Bertz Verlag. 221 Seiten. 19,90 Euro
Von Michael Leuffen »Guter Wille und eine abenteuerliche Beharrlichkeit – vielleicht ist das der einzige Überschuß im Leben von Kaurismäkis Müllmännern, Kassiererinnen, Fließbandarbeitern und Nachtwächtern. Lauter tapfere und bodenlos melancholische Sinnsoldaten, die rauchen, trinken und schweigen«, schreibt Birgit Glombitza in ihrer Rezension zu Aki Kaurismäkis aktuellem Film Lichter der Vorstadt in der »Zeit« Nr. 51/2006. Eine Interpretation, die nicht nur die Protagonisten seiner Filme perfekt definiert, sondern auch deren Autor. Denn der ist selbst ein gutwilliger Kettenraucher von schwerem Gemüt und lakonischem Humor. Als solcher zeichnet er sich in punkto dramaturgischer Handschrift durch ein für den jüngeren europäischen Autorenfilm beispielloses Durchhaltvermögen aus. Mit seinen sich meist aus Versatzstücken klassischer Genres speisenden Melodramen sorgt der Finne seit 1981 in seinem ganz eigenen, tragisch augenzwinkernden Stil für realistische Kinokunst vor dem Hintergrund der großen Inszenierung.

Mit welcher ästhetischen Klasse und gefühlvollen Figurenzeichnung wird nun in einem von Linda Söffker und Ralph Eue herausgegebenen Band erzählt. Dieser beleuchtet nicht allein seine Filme, angefangen beim Debüt Saimaa-Ilmiö über Programmkinohits wie Das Leben der Bohème oder Wolken ziehen vorüber bis zur aktuellen Produktion, mit analytischen Texten aus verschiedenen Perspektiven. Auch dank warmherziger Erfahrungsberichte über seine Person, einem einfühlsamen Interview mit der Schauspielerin Kati Outinen zur Arbeit mit dem kauzigen Regisseur und einem besonders für praxis-interessierte Kinogänger interessanten, von Harun Farocki verfaßten Dreharbeitenbericht zur Produktion von Ariel wird sich hier dem Werk des 49Jährigen facettenreich genähert. Ganz besonders ragen der Eröffnungstext von Michael Esser und Ralph Eues »Kaurismäki-Lexikon« heraus. Letzterer arbeitet von »A wie Action« bis »W wie Western« die wichtigsten Autorenmerkmale des Filmemachers unterhaltsam heraus. Was beide Texte verbindet, ist eine lesenswerte Einkreisung vom Kino eines »Sinnsoldaten«, dessen Figuren mit wenigen Worten viel vom tristen Sein zwischen Produktion und Konsum berichten. 1970-01-01 01:00

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