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Autorenfilm – Filmautoren

Ernst, Gustav (Hrsg.): Autorenfilm – Filmautoren. Wien 1996. Wespennest. 138 S.
Von Dirk Steinkühler »Braucht der Autorenfilmer einen Filmautor?« Der Schriftsteller, Bühnen- und Drehbuchautor Gustav Ernst hat mit seinem Buch eine Sammlung schriftlich fixierter Vorträge und Diskussionen herausgegeben, die im Oktober 1994 das Wiener Symposium »Autorenfilm – Filmautoren« prägten, und hat darin Erkenntnisse festgehalten, die auch zwei Jahre später noch Bestand haben.

Den Begriff »Autorenfilmer« verstehen einige Teilnehmer nicht unbedingt als die vielfach postulierte Personalunion aus Regisseur und Drehbuchautor, sondern stellen ganz im Gegenteil hauptsächlich diejenigen in den Vordergrund, die lediglich ein literarisches Skript verfassen, das anschließend von jemand anderem filmisch umgesetzt wird. Filmautoren wie Gordan Mihic ("Time of the Gypsies") treten sogar nachdrücklich für diese Aufgabenteilung ein, und der Produzent Eberhard Junkersdorf bemängelt, Regisseure wollten zu oft ihre eigenen Textlieferanten sein, statt sich auf das »Lesen« von Drehbüchern und das Schaffen adäquater Filmbilder zu konzentrieren. Diskutiert wird zudem die Frage, wer denn nun der entscheidene Künstler sei: der Drehbuchschreiber, der eine eigentlich wenig filmspezifische Arbeit leiste, oder der Regisseur als Realisator?

Verschiedene Publizisten, Produzenten, Filmautoren und Regisseure äußern dazu ihre breitgefächerten Ansichten und erzählen von ihren Erfahrungen, wie letztendlich ein sehenswerter Film entsteht. Gordan Mihic und Mike Leigh sprechen über authentische Filmstoffe oder ihre Annäherungen an interessante Inhalte. »Vorzeige-Autorenfilmer« Leigh bevorzugt eine andere Art der Vorarbeit: Nicht alle Dialoge sind von vornherein festgelegt, sondern werden durch Improvisationen und Proben mit seinen Schauspielern erarbeitet. Als Schönheitsfehler zu diesem Gespräch bleibt anzumerken, daß sich die im Vorwort angekündigte Erweiterung aus aktuellem Anlaß als Ausschnitte aus einem Interview entpuppen, das während der Berlinale 1992 mit Leigh geführt wurde und so Verweise auf Secrets and Lies ausbleiben.

Weitere Blicke reichen von den Traumbildern eines jeden in seinem Kopf, über das Verhältnis des Zuschauers zu unabhängigen Studiofilmen und den Massenprodukten der Major-Firmen bis zur Ausweitung der Fragestellung auf andere Produktionsbereiche.

Die beiden kontroversesten Kapitel bilden zwei protokollierte Diskussionen zum Kampf gegen die Übermacht des amerikanischen Kinos, über Filmförderung und die Möglichkeiten, europäische Produktionen für ein breites Publikum interessant zu machen. Zu lebhaften Disputen führen dabei die Äußerungen des eigenwilligen österreichischen Regisseurs Michael Haneke und die Prophezeiung Junkersdorfs, daß US-Majors in Zukunft auch in deutschsprachige Produktionen investieren, eine »Wunschvorstellung«, für die er belächelt wurde. Ein aufschlußreiches Lesebuch, insbesondere für diejenigen, denen zur Zukunft des Autorenkinos mehr einfallen möchte als der Standardbeitrag »Wir müssen bessere Filme machen«. 1970-01-01 01:00

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