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Subversionen des Surrealen im mittel- und osteuropäischen Film.

Deutsches Filminstitut (Hrsg.): Subversionen des Surrealen im mittel- und osteuropäischen Film. Frankfurt 2002. 256 Seiten.
Von Achim Wetter Hinter dem Eisernen Vorhang aufgrund seines nicht zu bändigenden Widerstandes gegen jedwede Form der kulturpolitischen Instrumentalisierung diffamiert und kriminalisiert, trug der Surrealismus doch gerade hier ganz erstaunliche Früchte. Blickt man heute zurück, so ist es vielleicht kaum verwunderlich, daß sich surreal-revolutionäre Denkstrukturen unter den diktatorischen Verhältnissen ihr traditionell subversives Potential erhalten konnten. Denn während der Einfluß der Surrealisten im westlichen Europa kontinuierlich verpuffte, konservierten sich die kreativen Köpfe im Osten in unaufhörlicher Auseinandersetzung mit staatlichem Totalitarismus ihre programmatische Oppositionshaltung gegenüber kulturellen Unterdrückungsmechanismen – ein Zwang, der beflügelte zu immer neuen Formen revolutionär-kreativer Subversion.

Daß die Geschichtsschreibung den Surrealismus nach dem Zweiten Weltkrieg sehr schnell vom internationalen Phänomen zur Stilrichtung reduzierte, die am Eisernen Vorhang halt macht, haben wir ohne Zweifel allein unserer einseitigen Westzentrierung zu verdanken. Diese Ignoranz, die sich durch sämtliche Sparten der Kunst- und Kulturrezeption zieht, rächt sich heute in einer Art Vakuum, auf das sich fundierte Zukunftsperspektiven für den neuen europäischen Kulturraum gründen könnten. goEast, das Wiesbadener Filmfestival, das im April 2004 zum vierten Mal stattfinden wird, begründet seinen Anspruch darin, dieses Vakuum zu verkleinern. Die vorliegende Publikation bildet den Versuch, eines der jährlich stattfindenden Symposien innerhalb des Festivals einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Besonders anzurechnen ist dieser Veröffentlichung zweifelsohne, daß sie der Verlockung widersteht, dem Surrealismus als künstlerische Bewegung einfach eine neue, modifizierte historische Kohärenz zu unterstellen. Ein wehmütiger Blick in ein abgeschlossenes filmhistorisches Kapitel wäre die Folge gewesen. Hinter dem bewußt offenen Titel verbirgt sich vielmehr die Absicht, bisher unveröffentlichtes historisches Material in den neuen Kontext einzubringen und dabei stets auf aktuellere Entwicklungen hinzuweisen. In analytischen Essays von Wissenschaftlern und Künstlern aus unterschiedlichen Epochen, zeitgenössischen Dokumenten und Manifesten, dem Mitschnitt einer Podiumsdiskussion, Filmographien und jeder Menge Bildmaterial entsteht dabei ein spannender Einblick in ein lebendiges Stück gesamteuropäischer Filmgeschichte. 1970-01-01 01:00

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