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Choreographie für eine Kamera

Deren, Maya: Choreographie für eine Kamera. Schriften zum Film. Hamburg 1995. Material-Verlag. 124 S.
Von Georg Immich Die Hochschule der bildenden Künste in Hamburg hat eine Filmabteilung mit Gerhard Roscher und Elfi Mikesch als Professoren, die gelegentlich Filmbücher, wie z.B. über den Dokumentarfilmer Johan van der Keuken, herausgeben. Das neueste Buch versammelt die Schriften der amerikanischen Filmemacherin Maya Deren. 1917 in Kiew geboren, wuchs sie nach der Emigration ihrer Eltern in den Vereinigten Staaten auf und studierte an der Syracuse University, New York, Literatur, Lyrik und Tanz.

Nach ersten literarischen Arbeiten begründete sie in den vierziger Jahren den amerikanischen Avantgarde-Film als künstlerische Bewegung außerhalb des Studio-Systems. Ihre Filme haben eine visuelle Kreativität und ausgefeilte Montagetechnik, die nur in den exponierten Bilderwelten und Schnittfolgen von Buñuel, Eisenstein oder Orson Welles eine Entsprechung finden. Viele ihrer Techniken sind zu Konventionen der Ästhetik von Musikvideos geworden. Sie arbeitete mit Künstlern ihrer Zeit wie Marcel Duchamp, John Cage und Anaïs Nin zusammen, und sie unterstützte ihrerseits junge Filmemacher wie Stan Brakhage und Jonas Mekas.

In diesem neuen Buch sind erstmals ihre wichtigsten theoretischen Schriften in übersetzter Form versammelt. Sie waren teilweise in einem Merve-Taschenbuch über die Poetik des Films von 1984 abgedruckt, das aber seit langem vergriffen ist. Bisher beschäftigte sich die feministische Filmtheorie im Bezug auf Maya Deren meist mit ihrer unterbewerteten Position in der männlich und ideologisch gefärbten Filmgeschichtsschreibung. Beim Nachwort des Buches gelingt es Ute Holl nun, die Bezüge der Schriften Maya Derens auf Diskurse ihrer Entstehungszeit zu berücksichtigen und den zentralen Aspekt des Films als Erfahrungsform des 20. Jahrhunderts herauszuarbeiten.

Die Herausgeberinnen haben auch nicht an Abbildungen aus den Filmen gespart, was das Verständnis der genuin bildsprachlichen Qualität von Maya Derens Filmen, in Ergänzung zu ihren eigenen Erläuterungen, fördert. 1970-01-01 01:00

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