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Funde, Filme, falsche Freunde

Kurt Denzer (Hrsg.): Funde, Filme, falsche Freunde. Der Archäologiefilm im Dienst von Profit und Propaganda. Kiel 2003. Verlag Ludwig. 280 Seiten. 24,90 Euro.

Ausgrabungen auf der Leinwand

Von Katja Spranz Mit der Archäologie wird oft das »Mysteriöse«, Fremde und Faszinierende verbunden. Der Archäologe ist wie ein Abenteurer, entdeckt Spuren ferner, vergangener Zivilisationen. Die Funde geben Informationen über Kulturen, über die man vorher nichts oder wenig wußte. Allerdings: Wie alle Wissenschaften ist auch diese dem Zeitgeist unterworfen. Oft spiegelt die Interpretation der Ausgrabungen mehr den Entdecker und seine Weltanschauung als die vergangenen Lebensformen wider. Andere Kulturen werden immer im Vergleich – oder im Gegensatz – zu der eigenen beschrieben. Manchmal, um Elemente in der eigenen Lebenswelt deutlicher zu zeigen, oft, um die Überlegenheit der Heimkultur zu propagieren.

Dieses Buch bezieht in die Untersuchung verschiedene Formen der filmischen Darstellung mit ein: den Spielfilm, die Dokumentation, aber auch das filmische Material als Bestandteil der Nachrichten im Fernsehen.

Auch der Film ist ein Produkt der Gesellschaft, und die Archäologie wird zuweilen benutzt, um politische Überzeugungen zu verbreiten. Das kann der explizite – aus heutiger Sicht – plumpe Hetzfilm des »Dritten Reichs« sein, der durch eine verfälschte Darstellung der Vergangenheit die Existenz und den Herrschaftsanspruch der »arischen Rasse« erklärt und rechtfertigt, also »wissenschaftlich« beweist. Aber auch harmlos und »objektiv« anmutende Dokumentationen der Gegenwart sind nicht frei von Ideologie und benutzen filmische »Tricks« wie zum Beispiel die anonyme Stimme aus dem Off, die die Situation erklärt und die Interpretation nicht als solche erkennen läßt, sondern das Ganze als objektiv darstellt. Dem Zuschauer wird alles erklärt und als »bewiesen« präsentiert.

»Funde, Filme, falsche Freunde« beschäftigt sich ausführlich mit dieser Thematik, indem einzelne Werke betrachtet werden. Es wird sowohl die Rolle des Films und der Dokumentation allgemein als auch die der Archäologie aus der Sicht unterschiedlicher Blickwinkel beleuchtet. Durch die Untersuchung populärer Filme wie »Indiana Jones« oder »Planet of the Apes« ist das Buch auch für ein breites Publikum interessant, da diese ausgehend von einem Teilaspekt interpretiert werden, der aber letztendlich das ganze Werk betrifft.

Das Bild verbunden mit Text erscheint objektiv und wahr, doch der Mythos der Wahrheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft – und auch deren Dokumentation – wird in diesem Buch auf unterhaltende Weise demaskiert. 1970-01-01 01:00

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