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Reisefilme

Annette Deeken: Reisefilme. Ästhetik und Geschichte. Mit einem Vorwort von Wim Wenders. Remscheid 2004. Gardez-Verlag 384 Seiten. 39,90 Euro
Von Andrea Haller »Reisefilme« von Annette Deeken macht auf die Diskrepanz zwischen der Allgegenwart von Reisemedien und -filmen und der Vernachlässigung des Gegenstandsbereichs in den Medien- und Filmwissenschaften aufmerksam und versucht, diese wissenschaftliche Lücke zu füllen.
Die Autorin widmet sich darin den stilistischen und ästhetischen Eigenheiten und der Produktionslogik des Reisefilms von den Anfängen um 1900 bis zu experimentellen Formen zum Ende des 20. Jahrhunderts.
Der erste Abschnitt behandelt den Akt des Filmreisens als Form der visuellen Aneignung der Welt durch die Kamera sowie die Auswirkungen dessen auf den fertigen Film.
Das kinetische Bild, d.h. das Bild des/vom Reisen und seine visuellen Vorläufer wie z.B. Ansichtskarten, sind Thema des zweiten Kapitels. Es widmet sich dem Phänomen der Bewegung als Distinktionsmerkmal der gefilmten Objekte, aber auch den Techniken, Bewegung filmisch zu schaffen, d.h. jenen, die die Prozeßhaftigkeit des Reisens deutlich machen: Panoramieren und Travelling.

Der dritte Teil verdeutlicht die Gestaltungskonzepte des Reisefilms anhand von Beispielen: U.a. wird Ulrike Ottingers »China«, der den gängigen Sehgewohnheiten widerspricht, sowie Peter Kubelkas euphorisch gefeierter avantgardistischer Kurzfilm »Unsere Afrikareise« tiefergehend analysiert. Aus filmhistorischer Sicht besonders interessant: die ausführliche Darstellung des experimentellen Films »Vom Pol zum Äquator« (1987), der auf historischen Originalaufnahmen von 1899 bis zum Ersten Weltkrieg basiert.

Mögen die Gliederung sowie die Kapitelbezeichnungen des Buches auf den ersten Blick recht eigenwillig und nicht sehr »benutzerfreundlich« erscheinen, da sie sich einer zeitlichen Chronologie verweigern, so erlauben sie aber der Autorin, das Phänomen Reisefilme aus den unterschiedlichsten thematischen Blickwinkeln zu betrachten und eine zu »akademische« Überblicksdarstellung, deren Anspruch auf Vollständigkeit bei der Fülle und Variationsbreite des Materials nicht zu leisten wäre, zu vermeiden. 1970-01-01 01:00

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