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Das Ende im Spielfilm

Thomas Christen: Das Ende im Spielfilm. Vom klassischen Hollywood zu Antonionis offenen Formen. Marburg 2002. Schüren. 264 S. EUR 24,80
Von Wer sich schon einmal in der Kunst des Drehbuchsch Wer sich schon einmal in der Kunst des Drehbuchschreibens versucht hat, der weiß: Anfang und Ende eines Spielfilms bilden die größten Anforderungen bei der Entwicklung einer Erzählung. Mißlingen diese für die filmische Diegese wichtigen Eckpunkte, kann Kino zu einem negativen, mit Fragezeichen besetzten Erlebnis werden.

Der Züricher Filmwissenschaftler Thomas Christen hat sich im Rahmen seiner im Jahre 1999 verfaßten Dissertation differenziert mit der Problematik filmischer Narration beschäftigt und seinen wissenschaftlichen Fokus auf das Ende im Spielfilm gelenkt. Dabei besticht seine Arbeit zunächst durch die Gegenüberstellung erzähltheoretischer Ansätze aus Filmwissenschaft und benachbarter Disziplinen. Grundlage bildet schließlich die von David Bordwell vertretene Neoformalistische Filmtheorie. Diese stellt er in Zusammenhang mit Wissenschaftlern wie Christian Metz und Peter Wuss, aber auch Filmemachern und Drehbuchtheoretikern wie Edward Dmytryk oder Syd Field. So erarbeitet er sich durch vergleichende Theorie- und Praxisdebatten einen fruchtbaren Boden für Analysen zu unterschiedlichen filmischen Endformen. Eine Tatsache, die den Gegenstand zunächst nicht nur wissenschaftlich verortet, sondern vom Leser auch ein umfangreiches filmhistorisches und filmtheoretisches Grundwissen verlangt.

Der zweite Teil seines Buches widmet sich dann ganz dem Œuvre Michelangelo Antonionis als Vertreter eines modernen, stilistisch neuen Filmschreibens. Dabei zeigt Christen, wie sich das filmische Werk des italienischen Regisseurs von einer klassisch geschlossenen Form zur offenen, experimentierenden Konstruktion von Spielfilmhandlungen wandelt. So würdigt er die alternativen »Nicht-Enden« des modernen Filmerzählers und beschreibt seine vorwärts treibenden Innovationen durch Analyse seiner Filme von »Cronaca di un amore« (1950) bis zu »Identificazione di una donna« (1982). Ein Buch, das Filmwissenschaftler und Filmemacher zu neuen, narrativen Ansätzen und Debatten führen dürfte und zugleich das Werk Antonionis in filmhistorischer und -theoretischer Form mittels genauer Betrachtungen glanzvoll würdigt.

Michael Leuffen 1970-01-01 01:00

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