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Praxis des Drehbuchschreibens

Carrière, Jean-Claude / Bonitzer, Pascal: Praxis des Drehbuchschreibens & Über das Geschichtenerzählen. Berlin 1999. Alexander Verlag. 252 S.
Von Thilo Wydra Sie gehören zur Crème de la Crème, die Zunft der Drehbuchautoren hat nur wenige ihres Formats: Jean-Claude Carrière und Pascal Bonitzer. Die Arbeiten Carrières aufzuzählen hieße, ein filmographisches Who is Who zu erstellen: Die namhaftesten Regisseure Europas hat der schreibgewaltige Franzose mit Drehbüchern versorgt. Von Luis Buñuel über Louis Malle und Volker Schlöndorff bis hin zu Milos Forman und Peter Brook. Bonitzer arbeitete Jahre bei den »Cahiers Du Cinéma«, schrieb Drehbücher für André Téchiné, Jacques Rivette und Chantal Akerman, bis er schlußendlich selbst auf dem Regiestuhl Platz nahm und »Encore« (1996), sowie zuletzt »Rien sur Robert« (1998) inszenierte (und natürlich auch schrieb).

Der Berliner Alexander Verlag legt nun die Übersetzungen von »Exercice du Scénario« (1990) und »Raconter une Histoire« (1993) vor, die im Original beim renommierten FEMIS-Institut in Paris erschienen sind. Gewiß, primär ein theoretisches Buch über das Metier des Drehbuch-Verfassens, doch warum sind keine Fotos zu finden, die die Texte begleiten, sie anschaulicher machen? Ein Filmbuch ohne Filmfotos. Wenn Bonitzer etwa über Hitchcocks »Rear Window« schreibt oder über Antonionis »La Notte«, dann wünsche ich mir geradezu eine Assoziationsmöglichkeit, eine Abbildung, die das Gedächtnis des übervollen Kopf-Kinos etwas entlastet und ihm einen Moment der Lektüre-Erholung gönnt.

Stattdessen die gestalterische Strenge durchgehender Texte, die interessant und bereichernd sind. Ob Bonitzer das Ende zwischen Jeanne Moreau und Marcello Mastroianni beschreibt, jene Stelle, an der sie ihm seinen Liebesbrief von einst vorliest, den er nicht mehr wiedererkennt; ob Carrière aus dem tiefen buñuelschen Anekdotenfundus schöpft und etwa über Le fantôme de la liberté sagt, daß hier »die Ziellosigkeit und Unsicherheit einer Geschichte oder eines Netzes von Geschichten zum Prinzip des Films erhoben wurden« – stets hat alles Hand und Fuß. So ist dies gewiß ein brauchbares Buch über Theorie und Praxis des Drehbuchschreibens, wenngleich das Manko bestehen bleibt, daß neben Fotos auch ein Register, ein weiterführendes Literaturverzeichnis und filmographische Angaben zu den erwähnten Filmen fehlen. 1970-01-01 01:00

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