— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Das tägliche Brennen

Elisabeth Büttner/Christian Dewald: Das tägliche Brennen. Salzburg/Wien 2002. Residenz Verlag. 516 Seiten. EUR 34.90

Prestigeobjekt

Von Achim Wetter Spuren zu suchen abseits ausgetretener Pfade und Fährten zu legen jenseits des Kanons unumstrittener Meisterwerke ist die Absicht der Autoren des jüngst erschienenen Beitrags zur frühen Entwicklungsphase des österreichischen Kinos. Ganze acht Jahre Forschungsarbeit flossen mittlerweile in das auf zwei Bände angelegte Prestigeobjekt einer umfassenden nationalen Filmgeschichte.

Bereits 1997 gelang es Elisabeth Büttner und Christian Dewald, dem österreichischen Film nach 1945 den »Anschluß an Morgen« zu sichern. »Das tägliche Brennen« bildet nun den Versuch, das filmhistorische Brachland der Frühgeschichte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges neu zu erschließen. Ohne sich zu sehr der vermeintlichen Folgerichtigkeit historischer Chronologie zu unterwerfen, werden sehr sorgfältig arrangierte Themenkomplexe mit entweder theoretischem, künstlerischem, politischem oder ökonomischem Schwerpunkt aneinandergereiht. Die relative Freiheit dieser gängigen filmhistorischen Schematisierung wird dazu benutzt, Filmgeschichte unter Überschriften wie »Der Wiener Prater und die Kinematographie«, »Justizpalast«, »Kriegsfilmpropaganda«, »Im Westen nichts Neues« oder »Gustav Ucicky« konsequent zu regionalisieren. Schon am Umfang der angehängten Filmographie läßt sich ablesen, daß diese Ausgabe vor allem als Nachschlagewerk konzipiert wurde. Auch die Fülle an detaillierten Inhaltsangaben in den Thementeilen scheint primär dem Anspruch als umfassende Bestandsaufnahme geschuldet. Dennoch gelingt es den Autoren, durch die Kombination mit historischem Quellenmaterial und einem reichhaltigen Angebot immer neuer Bezugsmöglichkeiten, Filmgeschichten in äußerst lebendige Filmgeschichte zu verwandeln.

Vor allem die Ausgewogenheit macht »Das tägliche Brennen« zu einem eher charmant als trocken präsentierten filmhistorischen Bilderbogen, der die ersten Jahrzehnte des österreichischen Kinos durch eine Vielzahl relevanter Detailinformationen ins rechte Licht zu rücken versteht. 1970-01-01 01:00

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap