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Halbstark

Robert Buchschwenter, Lukas Maurer (Hrsg.): Halbstark. Georg Tressler. Wien 2003. Filmarchiv Austria. 254 Seiten. EUR 19.90

Angemessene Würdigung

Von Oliver Baumgarten »Zwischen Auftrag und Autor« haben die Herausgeber ihren Band untertitelt und treffen damit mitten hinein in das ambivalente Äußere eines Filmemachers, der mit »Die Halbstarken«, »Das Totenschiff« oder »Der Weibsteufel« das 50er und frühe 60er Jahre-Kino in Deutschland und Österreich um neue Sichtweisen erweitert hat. Doch der 1917 in Wien geborene Georg Tressler war zu früh dran: Für die Jungen Deutschen Filmemacher gehörte er zum alten Eisen, und den Alten war er ob seiner neuen Wege suspekt. Der Wille und die Kraft eines Erneuerers gingen ihm ab. Nach neun Kinofilmen verlegte er seine Arbeit ab 1966 fast ausschließlich in den Fernsehbereich. Er wollte einfach arbeiten, drehen – und das tat er bis in die 90er hinein, zuletzt sechs Folgen von »Marienhof«. Was dem deutschsprachigen Film da entgangen ist – man kann es nach Lektüre des vorliegenden Bandes erahnen.

Neid kommt manchmal auf, beobachtet man die publizistischen Aktivitäten in Österreich bezüglich des dort beheimateten Films. Die Buchreihe aus dem Filmarchiv Austria oder die Aktivitäten der PVS Verleger erlauben immer wieder mutig zusammengestellte Einblicke auf Momente der Filmgeschichte, die nicht zwingend Teil des Kanons sind, oder wenn doch, dann ausgestattet mit wohltuender Ausführlichkeit und Ansatzfülle. Ein Regisseur wie Georg Tressler könnte in Deutschland lange auf eine Würdigung warten, schon gar in solch geschmackvoller und im Höchstmaße lesbarer Edition. Dreizehn Beiträge beleuchten Tresslers Gesamtwerk, beginnend mit Ralph Eues erstmaliger Betrachtung von Tresslers frühen Kulturfilmen über Christoph Hubers Beitrag zum »Jazz als Lebensgefühl bei Tressler« bis hin zu Vrääth Öhners Analyse von Tresslers Fernseharbeiten.

Der umtriebige Regisseur ist eben eindeutig mehr als nur Verwalter der »Konkursmasse Heimatfilm« (Buchschwenter) oder kreatives Opfer äußerer Umstände, als welches seine Karriere durchaus auch zu lesen wäre. Vielmehr wäre Vrääth Öhner zufolge das Autorensubjekt Tressler nicht eines, das nicht anders, sondern eines, das immer auch anders habe können. 1970-01-01 01:00

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