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Lexikon der Film- und Fernsehsynchronisation

Bräutigam, Thomas: Lexikon der Film- und Fernsehsynchronisation. Berlin 2001. Lexikon Imprint Verlag. 499 S. EUR 18.90
Von Corinna Engelhardt Man stelle sich vor, man säße vis-a-vis von Günther Jauch bei Wer wird Millionär?, man spiele gerade um die 16.000 Euro-Frage, und auf dem Display erscheint: »Wer sagte den berühmten Satz ,Ich schau dir in die Augen, Kleines'?«. Jeder würde sich innerlich die Hände reiben und sogar bei einem Puls von 120 denken: »Sonnenklar: Humphrey Bogart 1942 in Casablanca«! Doch weit gefehlt! Humphrey Bogart sagte diesen – seinen – legendären Satz nie, denn er stand nicht im Drehbuch von Murray Burnett, und Joan Alison und war auch keine direkte Eingebung des Regisseurs Michael Curtiz. Erst in der deutschen Synchronfassung, in der Joachim Kemmer den Star Humphrey Bogart synchronisierte, wurde der Originalsatz »Here's looking at you, kid« (ein Trinkspruch – in der wörtlichen Übersetzung ohne Bedeutung) zu »Ich schau dir in die Augen, Kleines«.

Um mit diesen und ähnlichen Mißständen aufzuräumen, die Synchronschauspieler aus dem Dunkel ins Licht zu zerren und den deutschen Stimmen von Grace Kelly, Robert de Niro, Doris Day und Sean Connery ein Gesicht zu geben, schrieb Thomas Bräutigam das »Lexikon der Film- und Fernsehsynchronisation«.

Alphabetisch geordnet kann man im Hauptteil des Buches über 2.000 Filme und TV-Serien mit ihren Synchronsprechern nachschlagen. Wer schon immer dachte, es bestehe eine unbeschreibbare, aber dennoch unüberhörbare Ähnlichkeit zwischen Alain Delon, Robert Redford und Dennis Hopper, wird sich nach der Lektüre des Lexikons nicht mehr darüber wundern, da alle diese Schauspieler mit Christian Brückner ein und denselben Synchronsprecher besitzen.

Hilfreich zum Verständnis der Geschichte und der verschiedenen Mankos und Möglichkeiten von Synchronisation stellt Thomas Bräutigam eine kleine Einführung vor den lexikalischen Hauptteil. Unter anderem ist darin zu erfahren, daß in Italien grundsätzlich alle Filme nachsynchronisiert werden und die meisten italienischen Schauspieler daher nur als Gesicht ohne Stimme bekannt sind.

In einem weiteren Abschnitt werden die bedeutendsten Synchronschauspieler Deutschlands in Kurzporträts vorgestellt. Und daß dieser Teil nicht das Fassungsvermögen des Buches sprengt, liegt wohl auch an einer Eigenart der Synchronisation: Für die vielen Hunderte von ausländischen Schauspielern ist ein ca. 10 mal kleineres Kontigent an Synchronsprechern zuständig! 1970-01-01 01:00

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