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Visual Style in Cinema

David Bordwell: Visual Style in Cinema. Vier Kapitel Filmgeschichte. Frankfurt a.M. 2001. Verlag der Autoren. 220 S.
Von Thomas Waitz Als André Bazin 1958 die Tiefenschärfe euphorisch begrüßte (und damit die Möglichkeiten, welche sie der Gestaltung des Films bot), dann geschah dies nicht vor dem Hintergrund einer flüchtigen Modeerscheinung. Bazin sah in der »Bildeinheit von Zeit und Raum« eine wesentliche Errungenschaft der Regie, einen dialektischen Fortschritt in der kinematographischen Sprache. Erstmals wurde die Montage in die Zeichnung des Bildes selbst eingeschrieben. Inzwischen scheint jener elaborierte Code – und das ist David Bordwells These – in den Hintergrund zu treten, ironischerweise zugunsten einer erneuten Hinwendung zur Montage-orientierten Ästhetik im US-amerikanischen und europäischen Kino. Die meisten Regisseure bevorzugen kurze Einstellungslängen – schnell ist da die Rede von der »MTV-Ästhetik« oder einem Zugeständnis an die Sehgewohnheiten der (Fernseh-) Zuschauer.

Bordwells phänomenologischer Ansatz hat viele Vorteile, so die unmittelbare Nachvollziehbarkeit seiner Thesen. Weiß er doch seine Beobachtungen stets an einer Fülle von Beispielen zu belegen, die vor allem eins zeigen: das große filmische Wissen des Autors.

Dieses filmwissenschaftliche Vorgehen »von der Anschaulichkeit zur Formulierung theoretischer Erkenntnisse«, wie es im Vorwort heißt, stößt jedoch dort an seine Grenzen, wo es um die Frage nach einer stärker abstrahierenden Theorie geht, die Fragen, die über das, was, gründliches Lesen der Bilder vorausgesetzt, »sichtbar« ist, zu stellen vermag.

»Visual Style in Cinema. Vier Kapitel Filmgeschichte« präsentiert die überarbeitete Fassung einer Reihe von Vorlesungen, die Bordwell auf Einladung der Universität München (und in Zusammenarbeit mit dem Münchner Kulturreferat) im Sommer des letzten Jahres hielt.

Es ist ein kaum zu unterschätzender Verdienst des Herausgebers Andreas Rost, erstmals Texte von David Bordwell, einem in universitären Zusammenhängen angesehenen Filmwissenschaftler, in deutscher Übersetzung vorzulegen. Der reich bebilderte Band sei allen, die sich wissenschaftlich mit Film beschäftigen, ans Herz gelegt. Eine gründlichere Einführung in zahlreiche grundsätzliche Fragestellungen der Filmwissenschaft dürfte sich – in deutscher Sprache – kaum finden. 1970-01-01 01:00

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