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Elektrische Schatten

Francesco Bono u.a. (Hrsg.): Elektrische Schatten. Beiträge zur österreichischen Stummfilmgeschichte. Wien 1999. Filmarchiv Austria. 208 S.
Von UK Daß europäische Filmarchive nicht nur mehr und mehr Stummfilme in restaurierten Fassungen herausbringen und in Retrospektiven und auf Festivals die Ergebnisse ihrer Arbeit präsentieren, gehört zu den erfreulichen Entwicklungen der letzten Jahre. Mittlerweile nimmt auch ein immer breiteres Publikum diese hochqualifizierte Form der Vergegenwärtigung des historischen filmischen Repertoires begeistert auf. Nach wie vor nicht selbstverständlich ist jedoch, daß die Archive aktiv selbst Filmgeschichte erforschen und Aspekte der länderspezifischen Entwicklung der Filmproduktion an Hand fundierter Quellenstudien aufarbeiten.

Francesco Bono, Paolo Caneppele und Günter Krenn haben als Herausgeber in dem vom Filmarchiv Austria verantworteten, sorgsam redigierten und schön gestalteten Band »Elektrische Schatten« zusammen mit jungen österreichischen Filmhistorikern einen Weg gewiesen, wie Filmwissenschaft und Archiv in konstruktiver Weise zusammenarbeiten können. Ihre Beiträge vertiefen in Einzelstudien das Verständnis der Entwicklung des frühen österreichischen Films. Markus Nepf spürt den Pionieren Anton Kolm, Luise Veltée und Jakob Fleck nach, Günter Krenn porträtiert die überragende Produzentenpersönlichkeit Wiens, Sascha Kolowrat, und Francesco Bono beleuchtet facettenreich die Strukturen der Filmwirtschaft in dieser Periode.

Zwei Beiträge von Gyönghyi Balogh, Elisabeth Büttner und Christian Dewald beschäftigen sich mit den frühen Karrieren zweier großer Regietalente aus Ungarn, Mihály Kertesz (später: Michael Curtiz) und Sàndor (Alexander) Korda. Daniela Sannwald geht den Beziehungen zwischen Wiener und Berliner Produktionen in den 10er und 20er Jahren nach. Paolo Caneppele und Günter Krenn betreiben methodologische Betrachtungen zur Situation der Stummfilmforschung in Österreich. Sie überwinden damit die vielfach festzustellende Ferne zwischen philologisch exakter, sich des methodischen Repertoires der Sprach- und Literaturwissenschaften bedienender philologischer Quellenarbeit und den technisch-praktischen und konservatorischen Aufgaben, die sich den Filmarchiven in der Bewahrung, kritischen Sichtung und Neupräsentation des historischen Erbes der Kinematographie zu Beginn des zweiten Filmjahrhunderts stellen. 1970-01-01 01:00

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