— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Mein Vater Humphrey Bogart

Bogart, Stephen: Mein Vater Humphrey Bogart. München 1995. Econ Verlag. 328 S.

Here’s looking at you, father

Von Thomas Meißner Da steht er, lässig an die Wand gelehnt, die Chesterfield, natürlich ohne Filter, zwischen Mittelfinger und Daumen gesteckt, die Augenbrauen zusammengezogen, skeptisch, ja, fast scheint es: Ängstlich schaut er den Betrachter an, und der Schatten, den er an die Wand wirft, zeichnet sich cool ab. (Fast) unser aller Held der 40er und 50er Jahre, Humphrey DeForest Bogart, liebevoll, beinahe zärtlich »Bogie« genannt. Als Poster ist das Umschlagmotiv altbekannt, doch wenn der Titel »Mein Vater Humphrey Bogart« heißt, wird es interessant.

Stephen Bogart, Sohn von Bogie und Lauren Bacall, hat sich seinem Vater zu nähern versucht – immerhin fast 40 Jahre nach dessen Tod. Entstanden ist die mit Sicherheit persönlichste Biographie unter vielen. Stephen Bogart sagt selbst, er wolle damit auch seine eigene aufarbeiten, denn Zeit seines Lebens sei er nicht er selbst gewesen, sondern »Bogies Sohn«. So hat er auf der Suche nach der Vergangenheit seine Mutter aus dem Pariser Exil entführen und mit in die Vergangenheit Hollywoods nehmen können. Gemeinsam besuchten sie das Haus, in dem die Familie Bogart ehedem wohnte.

Teils anekdotenhaft erzählend, teils sachlich beschreibend versucht Stephen, seinem Vater Humphrey, den er kurz nach seinem achten Geburtstag verloren hatte, näherzukommen. Gespräche mit Freunden seines Vaters, Rod Steiger, Alistair Cooke, Katharine Hepburn halfen ihm, aus dem Mythos Humphrey Bogart »Dad« zu machen, einen Vater, der ihn mit zum Segeln nahm und ihn in das Geheimnis »Wie trinke ich Scotch bei Romanoff« einweihte. Und letzteres hat Stephen Bogart nach eigenem Bekunden in seinem späteren Leben gut gelernt.

Lauren und Bogie zu verstehen, besonders, seinen Vater endlich kennenzulernen, der ihm mit seinem Nachnamen für die Welt den Vornamen »Sohn von Humphrey« gegeben und damit eine eigene Identität verwehrt hatte, das war das Anliegen von Stephen Bogart. Dies ist ihm gelungen, und somit eröffnet seine Biographie auch dem Leser eine ganz neue Perspektive, den kennenzulernen, der wie kein Zweiter sagte: »Here`s looking at you, kid.« 1970-01-01 01:00

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap