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Blockbuster

Robert Blanchet: Blockbuster. Ästhetik, Ökonomie und Geschichte des Postklassischen Hollywoodkinos. Marburg 2003. Schüren Verlag. 272 Seiten. EUR 19.80

Die Strukturen des Attraktionskinos

Von Daniel Albers Was sind die Trends des Neuen Hollywood? Mit welchen Strategien haben es die Kinogiganten aus dem weiten Westen geschafft, ihre große, vom reihenweisen Studiosterben begleitete Flaute in den 50er und 60er Jahren zu überwinden und nunmehr seit Jahrzehnten den Welt-Kinomarkt zu beherrschen? Robert Blanchet erzählt die Geschichte Hollywoods und analysiert aus ungewöhnlich vielen Blickwinkeln seine aktuellen Strukturen.

Da werden zunächst unter Zuhilfenahme des neoformalistischen Ansatzes, der vor allem mit dem Namen David Bordwell in Verbindung gebracht wird, die moderne »Attraktionsästhetik« Hollywoods und seine zeitlichen und räumlichen Erzählprinzipien unter die Lupe genommen. Fachbegriffe wie »Continuity Editing« werden auf erfreulich anschauliche und zugleich anspruchsvolle Weise hauptsächlich an Blockbustern der 90er Jahre wie There's Something About Mary Schritt für Schritt erklärt.

Der Mittelteil beschreibt, illustriert mit vielen interessanten Statistiken, die ökonomische Realität der amerikanischen Filmindustrie. Der Leser erhält einen Überblick über die komplizierten Firmenbeteiligungen, Auswertungsketten, Marketingstrategien und die Ausnutzung der modernen technischen Möglichkeiten.

So richtig spannend wird dieses Sachbuch aber erst im dritten und letzten Teil, der mit der Schilderung des restriktiven Production Codes und seiner Unterwanderung durch die jungen Filmautoren wie Dennis Hopper, Martin Scorsese, John Cassavetes oder Robert Altman beginnt. Schlüssig wird erläutert, wie die frühen Werke von Regie- und Marketingtalenten wie Steven Spielberg und George Lucas den Weg zur äußerst erfolgreichen »High Concept«-Strategie ebneten, die Hollywood seit den 80ern praktiziert.

Das Hollywood-Kino der 90er-Jahre, das wohl am besten mit den Schlagwörtern Attraktion, Recycling, Selbstironie und Selbstreferentialität charakterisiert werden kann, wird in seiner häufig durchaus vorhandenen Intelligenz schließlich und endlich angemessen gewürdigt, indem seine Tendenz zu Doppelcodierungen durch das Heranziehen von postmodernistischen bzw. semiotischen Theoretikern wie Charles Jencks und Umberto Eco erläutert wird.

Eine ordentliche Bibliographie und ein ausführliches Glossar komplettieren das Werk, das somit für jeden, der Hollywood nicht von vornherein verteufelt und gerne mal einen objektiven Blick auf das Zustandekommen seiner Produkte werfen will, zu einem Muß wird. 1970-01-01 01:00

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