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Bildgestaltung, Schnitt und Musikauswahl

Ralf Biebeler: Bildgestaltung, Schnitt & Musikauswahl. Das Praxisbuch für bessere Filme. Stein-Bockenheim 2006. mediabook Verlag. 194 Seiten. 22,- Euro
Von Eleonóra Szemerey Ein weiteres kompaktes Buch für den engagierten Laien, der seine ersten Schritte auf dem Gebiet der Filmproduktion tun will? Oder gar für den angehenden Profi? Brauchen wir das? Ist die Auswahl an deutschsprachiger Fachliteratur nicht schon umfangreich und qualifiziert genug? Ein Praxisbuch für noch »bessere Filme«? Im Klappentext räumt Ralf Biebeler ein, daß es »ja auch schon einige Literatur auf dem deutschen Bücher Markt [sic]« zum Thema gibt, doch verspricht er, in seinem neuen Werk die Grundlagen des Filmemachens »kompakt, verständlich und vor allem praxisorientiert« zu behandeln und den Leser mit dem »neuerworbenen Wissen sofort« zum Erstellen des nächsten »Familienfilms«, einer »Auftragsproduktion« oder gar eines »Dokumentarfilms für einen TV-Sender« zu befähigen. Und all dies in nur 194 Seiten. Skeptisch?

Verständlich. Doch Biebeler hält, was er verspricht. Zumindest teilweise. Zuerst einmal ist es unbestreitbar, daß sein Buch kompakt und praxisorientiert ist, denn auf knapp 200 Seiten ist kein Raum für Theorie und kaum Gelegenheit für Abweichungen von der Ausrichtung auf digitale Aufnahmetechnik sowie das Zielmedium Fernsehen. So setzt das Buch die Kenntnis von Kamera, Schnittprogramm und englischen Fachbegriffen voraus, klammert das Thema »Ton« in der Aufnahmephase ganz aus und fordert viel Selbständigkeit ("Wie das funktioniert, lesen Sie im Benutzerhandbuch […]").

Bedauerlicherweise leiden Verständlichkeit ein wenig und Übersichtlichkeit sehr stark unter der Konzentration auf kurze Erklärungen und praktische Tips: Layout und Gliederung widersprechen sich selbst sowie einander, so daß man sich häufig fragt, ob aus Platzspargründen keine Leerzeilen die Anfänge neuer Kapitel signalisieren, oder ob dieser Mangel gemeinsam mit der fehlenden Nummerierung zum ganz eigenen Textfluß des Buches beitragen soll. Fraglich bleibt auch, wie effektiv z.B. das kurze Ansprechen dreier dramaturgischer Modelle, das Aufzählen ganz unterschiedlicher Montageformen und der anschließende Exkurs über Möglichkeiten von Schnittprogrammen und Probleme mit Videoformaten als Einleitung des Kapitels »Bildschnitt und Nachbearbeitung« ist, in dem die Leser dann noch »alles, was sie wissen müssen«, erfahren sollen. Inhaltlich gestaltet sich Biebelers Praxisbuch durchaus korrekt (wenn auch verallgemeinernd) und vermittelt viel Wissenswertes, ist unterhaltsam, leicht und interessant zu lesen – doch vom Aufbau her bleibt es leider oft konfus und in einigen Begriffsdefinitionen wenig fundiert (Quellenangaben sowie Verweise fehlen).

Was dem Autor allerdings sehr gut gelingt, ist das anschauliche und gut nachvollziehbare Erläutern von Filmkonventionen mit Hilfe kleiner Beispiele, zahlreicher teils farbiger Fotos und immer wiederkehrender Quizfragen zur Selbstkontrolle sowie die Erleichterung des Starts ins Filmemachen durch viele zeitgemäße und praxisbezogene Hinweise. Zu bedauern ist auch hierbei, daß er oft wichtige Fachbegriffe undifferenziert bzw. an falscher Stelle einführt oder ganz ausläßt und stark verallgemeinernde »Regeln« und Merksätze aufstellt. Zweifellos praktisch für den Anfänger sind aber die (leider nie ganz fehlerfreien) Möglichkeiten zur Selbstkontrolle, die wiederholenden Zusammenfassungen an den Kapitelenden sowie die aktuellen Videoarchiv-, Software- und Literaturtips.

So ist Biebelers Praxisbuch tatsächlich eine handliche und anschauliche Einführung in das Amateurfilmen und zur Erstellung besserer Familienvideos durchaus zu empfehlen, doch ist der Anspruch, den Laien gründlich und ausreichend auf die Produktion von Auftragsarbeiten und TV-Dokumentationen vorzubereiten, ähnlich anmaßend wie die gewagte Behauptung, bereits bis zur 164. Seite ein »enormes Wissen« vermittelt zu haben.

Wir warten gespannt auf die zweite (überarbeitete) Auflage. 1970-01-01 01:00

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