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Das Cabinet des Dr. Caligari

Belach, Helga / Bock, Hans-Michael (Hrsg.): Das Cabinet des Dr. Caligari. Drehbuch von Carl Mayer und Hans Janowitz zu Robert Wienes Film von 1919 / 20. München 1995. Edition Text + Kritik. 158 S.
Von Oliver Baumgarten Robert Wienes Stummfilm »Das Cabinet des Dr. Caligari« von 1920 zählt zu den Filmklassikern des deutschen Expressionismus. Zur Entstehungszeit als bis dato modernster und gewagtester Film gefeiert, hat er bis heute seine große filmhistorische Bedeutung nicht verloren. Siegfried Kracauer fußte mit »From Caligari to Hitler« 1947 seine langen diskussionsbestimmenden psycho-politischen Thesen zum deutschen Stummfilm vornehmlich auf »Caligari«. Hans Janowitz, Co-Autor von »Caligari«, rankte in seinem später erschienenen Buch weitere legendenträchtige Theorien um die politische und stilistische Diskrepanz zwischen Drehbuchvorlage und Film.

Diese und weitere Veröffentlichungen schufen um Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte »Caligaris« geradezu mythische Züge. Mit der Entdeckung einer Originalfassung des Urdrehbuchs im Nachlaß von Hauptdarsteller Werner Krauß, die hier nun erstmals veröffentlicht wird, entpuppen sich auf äußerst spannende Weise viele der Argumente als selbstdarstellerische Legenden von am Film Beteiligten, die offensichtlich bemüht waren, wenigstens einen Teil des Ruhmes, der dem Film anhaftet, auf sich zu laden. Siegbert S. Prawer entwirrt in seinem einleitenden Essay die meisten dieser Mythen und belegt, daß durch den Fund dieses Urdrehbuchs, spätestens jetzt auch Kracauers Thesen neu überdacht werden müssen.

Neben weiteren Materialien zum Film enthält das Buch Faksimiles aus dem Originaldrehbuch, Szenenfotos und beeindruckende Arbeitsskizzen des »Caligari«-Grafikers Walter Reimann, deren Originale über die ganze Welt verstreut sind.

Das zusammen mit der Stiftung Deutsche Kinemathek herausgegebene Buch ist schon aus filmhistorischer Sicht unbedingt empfehlenswert. 1970-01-01 01:00
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