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Poetika Kino. Theorie und Praxis des Films im russischen Formalismus

Wolfgang Beilenhoff (Hrsg.): Poetika Kino. Theorie und Praxis des Films im russischen Formalismus. Frankfurt am Main 2005. Suhrkamp Verlag. 465 Seiten. 16,- Euro.

Philosophie und Handwerk der Ästhetik

Von Michael Leuffen Was ist das Wesen der laufenden Bilder, welchen gesellschaftlichen, sozialen und politischen Beitrag können sie durch eine strukturelle Ästhetik leisten und vor allem: Wie hebt man das als Jahrmarktsspektakel geborene Medium in einen künstlerischen Status? Fragen, denen russische Formalisten wie Boris Éjchenbaum oder Viktor Sklovskij lange vor den theoretischen Überlegungen der französischen Filmsemiotik nachgegangen sind. Wie sehr diese formalen Überlegungen noch heute das Kino zur Kunst erheben können und es jenseits der baren Attraktion in Richtung literarischer Erhabenheit zu führen vermögen, ist nun in dem von Wolfgang Beilenhoff herausgegebenen Sammelband »Poetika Kino. Theorie und Praxis des Films im russischen Formalismus« zu entdecken.

Bereits 1974 hatte der Bochumer Filmwissenschaftler unter dem Titel »Poetik des Films« eine kleine, fein editierte deutsche Erstausgabe der filmtheoretischen Texte jener russischen Film-Formalisten publiziert. Die neue, extrem erweiterte Auflage indes schließt alle kognitiven Lücken, welche die erste Sammlung bei weiter denkenden Lesern hinterließ. Denn die vielen erstmals in deutscher Sprache zu erschließenden Texte machen in ihrer Gesamtheit deutlich, daß die vornehmlich in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts formulierten filmkunstphilosophischen Theorien auf eine Praxis zielen, die dem Film eine freie, undogmatische und jenseits der Propaganda liegende Poetik und Ästhetik angedeihen lassen soll. Ihre semantisch ausgeklügelten Ausdruckstheorien sind vor allem deshalb so verführerisch, weil sie niemals den Produktionsprozeß, das Filmemachen an sich außer Acht lassen. Und so verknüpfen die hier versammelten Texte äußerst leerreich Theorie und Handwerk, um noch heute für Wissenschaft und Filmpraxis als Schatztruhe zu funktionieren, die strukturelle Ideenwege bereit hält, um ein Kino jenseits der Oberflächlichkeit zu diskutieren und zu formulieren. 1970-01-01 01:00

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