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Jim Jarmusch

Rolf Aurich / Stefan Reinecke (Hrsg.): Jim Jarmusch. Berlin 2001. Bertz. 302 S.
Von Carsten Tritt Öffne ich ein Filmbuch, so hoffe ich zumeist, in ihm eine kritische Auseinandersetzung, etwa mit einem bestimmten Filmschaffenden zu finden. Diese Hoffnung wird allerdings gerne schnell zerstört, denn einer Vielzahl der Autoren fehlt die eben dazu nötige Distanz zu dem besprochenen Thema. Auch in dieser Essaysammlung (15 Texten von 14 Autoren) kommt es des öfteren vor, daß auf den Abstand, der zu dem besprochenen Objekt eigentlich eingehalten werden sollte, verzichtet wird, aber ausnahmsweise macht gerade dieser Umstand das Jarmusch-Buch von Rolf Aurich und Stefan Reinecke zu mehr als zu einer weiteren Sammlung für Fans – es ist ein Glücksfall für jeden Cineasten.

Bei Ralph Eue liefert sogar 75 lesenswerte Seiten, in denen er nicht nur Jarmuschs Werk erläutert, sondern auch seine persönlichen Erfahrungen mit dem Regisseur wiedergibt, einschließlich Briefauszügen und Anekdötchen. Beeindruckend ist auch die Analyse von Jarmuschs Nebenkarriere als Punkmusiker, in die Christine Heise einführt, und die von den anderen Autoren (etwa Aurich in seinem Text über Jarmuschs frühe Werke) in Kontext zu den Filmen gestellt wird. Abgerundet wird das Buch dann durch eine zumeist distanzierte Einzelbeschauung der Filme (u.a. durch Fritz Göttler, Georg Seeßlen). Gerade aufgrund der verschiedenen Ansatzpunkte der auf hohem Niveau schreibenden Autoren bleibt so im Ergebnis die seltene Möglichkeit, durch dieses Buch weit mehr zu erfahren, als eine weitere monotone Lobpreisung eines wichtigen Independent-Regisseurs. 1970-01-01 01:00

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