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Dirty Harry

Frank Arnold, Michael Esser (Hrsg.): Dirty Harry. Don Siegel und seine Filme. München 2003. Vertigo Verlag. 207 Seiten.
Von Michael Leuffen Er hat nie einen Oscar bekommen, und dennoch war der amerikanische Regisseur Don Siegel ein großer Innovator des Kinos. Mit seinem 1956 inszenierten Sci-Fi-Klassiker »The Invasion of the Body Snatchers« brachte er expressionistische Stimmung ins B-Picture und adelte das Kino zweiter Klasse mit großer visueller Stärke. Mit seinem Copthriller »Dirty Harry« avancierte er dann 1971 zum Star des Polizeifilms und schuf einen der bis heute erfolgreichsten Filme des Genres. Nun erscheint zum ersten Mal ein Buch in deutscher Sprache über Siegel, der 1933 in der Montage-Abteilung der Warner Brothers seine Karriere begann. Die Herausgeber Frank Arnold und Michael Esser versuchen dabei gemeinsam mit ihren Autoren ein differenziertes, wenn auch unter filmwissenschaftlichen Gesichtspunkten allgemein nicht besonders ergiebiges Bild über einen Filmemacher zu entwerfen, das sie selbst als Liebeserklärung an den von ihnen geschätzten Siegel verstehen.

Im Gegensatz zu anderen Büchern über Hollywood und seine unbekannten Helden, die aus populärkulturellen Beweggründen entstanden sind, breiten sie dabei durchaus ein Panorama mit interessanten und berechtigten Ansätzen aus. So ist zum Beispiel Ulrich von Bergs Figurenanalyse zu den Gegenspielern des von Clint Eastwood gespielten »Dirty Harry«-Polizisten Callahan und deren realen Vorbildern durch seine an der Literaturgeschichte geschulten Verdeutlichungen äußerst lesenwert. Bernd Kiefer und Marcus Stiglegger betrachten demgegenüber das Duo Siegel / Eastwood und ihre gemeinsamen Werke unter ästhetischen Gesichtspunkten und analysieren sie facettenreich. Ebenfalls ein Highlight des Bandes ist der Aufsatz von Thomas Christen, der die Filme des 1991 verstorbenen Regisseurs mit dem Film noir in Verbindung bringt. Filmhistorisch gesehen muß man dem Buch zudem für seine ausführlichen Analysen zu Siegels Filmen und für eine genaue Filmographie dankbar sein. Und daß die voller Filme steckt, die auch in anderen Ländern diskutiert wurden, zeigt Gerhard Midding mit seiner Aufarbeitung der Siegel-Rezeption in Frankreich, bei der sich zeigt, wie intensiv einst das B-Picture und der hier vorgestellte Regisseur unter der Trikolore für Diskussionsstoff sorgten. Das Buch über den Regisseur ist insgesamt ein sorgfältig aufgearbeitetes Fanzine, für das man ein Liebhaber von Don Siegel sein möchte. 1970-01-01 01:00

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