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Stranger than paradise

Andrew, Geoff: Stranger than Paradise. Mavericks – Regisseure des amerikanischen Independent-Kinos. Mainz 1999. Theo Bender Verlag. 332 S.
Von Natalie Lettenewitsch Dieses Buch mußte endlich geschrieben, respektive übersetzt werden (letzteres hätte bei der lange überfälligen Pionierarbeit allerdings umso sorgfältiger geschehen müssen, als es leider der Fall ist). Die Binsenweisheit, daß amerikanischer Film nicht zwangsweise gleichbedeutend mit Hollywood ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen – zu einem Zeitpunkt, wo längst Tarantino den Begriff »Independent« (in Abgrenzung zu »Mainstream") für den Film ebenso obsolet gemacht hat wie Nirvana für die Musik, und Hollywood selbst sich dieser Ettikettierung nun als einer steten Frischzellenkur bedient. Aber umso vielseitiger und lebendiger ist sie dennoch, die »Indie«-Kultur im weitesten Sinne, und gelegentlich spannender als der europäische Auteur-Gestus.

Geoff Andrew geht von der unterstützenswerten These aus, daß einige ihrer Erzeugnisse letztlich zu den wahren Meilensteinen und somit »Klassikern« der amerikanischen Filmgeschichte gehören werden, und widmet sich hauptsächlich zehn ihrer prominentesten, teilweise doch sehr etablierten Repräsentanten: David Lynch, den Coen-Brüdern und Quentin Tarantino, die er als subtile Neubearbeiter von Genres beschreibt; John Sayles, Todd Haynes, Wayne Wang und Spike Lee, deren soziale bzw. politische Anliegen er in den Vordergrund stellt; Jim Jarmusch und Hal Hartley, denen er den größten Indie-Status zubilligt; und schließlich Steven Soderbergh, der etwas zu Unrecht als unbeständiges Talent abqualifiziert wird. Andrew bietet kurze, aber kompakte und weitestgehend vollständige Überblicke über die jeweiligen Œuvres; auch Kurzfilme und sonstige Arbeiten sowie hierzulande nicht erschienene Werke der Regisseure sind erfaßt.

Einer einfachen und klaren Struktur folgend, ist den zehn personenbezogenen Kapiteln eine historische Herleitung vorangestellt, und es folgt ihnen ein zusammenfassender Ausblick auf weitere Vertreter des gegenwärtigen Indie-Kinos. Die teilweise strittige und sicher Widerspruch provozierende Auswahl und Bewertung der Filmemacher ergibt sich zwangsläufig aus dem Thema: Wo finanzielle Unabhängigkeit nicht mehr als erschöpfendes Kriterium dienen kann, stattdessen nur schwammige Auffassungen von »Unangepaßtheit«, und wo man es zugleich mit unterschiedlichsten Individualitäten und Stilen zu tun hat, ist es oft eine Frage der subjektiven Intuition, einen Film als »Independent« zu bezeichnen. 1970-01-01 01:00

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