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Accident

Yi ngoi. HK 2009. R: Cheang Pou-soi. B: Szeto Kam-yuen, Tang Lik-kei. K: Man-fung Yuen. S: David M. Richardson. M: Xavier Jamaux. P: Media Asia Films, Milky Way Image Company. D: Louis Koo, Richie Ren, Fung Shui-fan, Michelle Ye, Suet Lam, Alexander Chan, Yuqin Han u.a.
87 Min. Lighthouse ab 21.10.11

Sp: Deutsch, Mandarin (DD 5.1, DTS 5.1). Ut: Englisch. Bf: 1,78:1 anamorph. Ex: Making-of, Trailer.

Final Destination meets Crime-Thriller

Von Robert Cherkowski Manchmal fällt es leicht, die Motivation und den Ursprung, die hinter einem Film stehen, zu entschlüsseln und auf eine einfache Formel zu bringen. Im Falle von Cheangs Accident liegt der Fall scheinbar klar auf der Hand: »Final Destination meets Crime-Thriller« schien das Rezept zu lauten. Wo schnelle Reißbrett-Pitches jedoch sonst allzu oft nach stinkigen Produzenten-Stunts müffeln, läßt dieses Konzept den geneigten Genre-Fan tatsächlich hellhörig werden. Die absurden Kettenreaktionen des bei Mainstream-Publikum und Horror-Trash-Fans beliebten Franchise werden in Cheangs Thriller jedoch nicht vom Tod persönlich, sondern vom Killerkommando des eiskalten Profis Kwok-fai, genannt »das Hirn«, initiiert. In minutiöser Vorarbeit werden Unfälle heraufbeschworen, bis eines Tages eines von Kwok-fais Teammitgliedern sein Leben bei einem fehlgeschlagenen »Unfall« läßt. »Das Hirn« gerät ins Grübeln: Spielt jemand ein falsches Spiel mit ihm, oder hatte er doch nur Pech?

Was leicht zur protzigen Nummernrevue voller falscher Fährten, unnützer Komplexität und quälend ausgewalzter Suspense um ihrer selbst willen – das Christopher-Nolan-Syndrom – hätte geraten können, reift in Cheangs ruhigen Händen zur hypnotisch-gelassenen Fingerübung, die sich offen vor der neuen stylishen Sachlichkeit eines Johnnie To (Sparrow im Speziellen) verbeugt. Nach und nach verliert Cheang das Interesse daran, abwegige Kettenreaktionen ins rechte Licht zu rücken. Je länger Accident andauert, desto mehr schwelgt er in melancholischer Paranoia-Atmosphäre, die eher an eine slicke Version von Coppollas Der Dialog denn an fiebrige Thriller- Kost erinnert. Milchiger Schimmer und flächig-smoother Score rücken Kwok-fais Abdriften dabei in einen traumähnlichen Dämmerzustand, dem man anheimfällt.

Wer möchte, der darf auch nach Subtext und tieferer Bedeutung Ausschau halten und eine vertrackte Auseinandersetzung über den Zufall als bösen Stiefbruder des Schicksals hineinlesen. Alles kann – nichts muß. Cheangs Zufallsreigen wirkt dabei mehrfach wie der Film, der den Coen-Brüdern seit geraumer Zeit nicht mehr gelingen will. Kurz: Accident lohnt eine interessierte Betrachtung bevor sich das skrupellose, international operierende Remake-Syndikat (auch bekannt als Hollywood) auf den smarten Stoff stürzt. 2012-06-20 13:24

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #64.

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