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All Beauty Must Die

All Good Things. USA 2010. R: Andrew Jarecki. B: Marc Smerling, Marcus Hinchey. K: Michael Seresin. S: David Rosenbloom, Shelby Siegel. M: Rob Simonsen. P: Groundswell Productions, Hit The Ground Running Films. D: Kirsten Dunst, Ryan Gosling, Kristen Wiig, Frank Langella, Diane Venora, Zoe Lister Jones, Philip Baker Hall, Nick Offerman u.a.
97 Min. Ascot Elite ab 13.3.12

Sp: Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Deleted Scenes, Die Wahrheit hinter der Fiktion, Die ursprüngliche Geschichte, Blick unter die Oberfläche, Make-up Effekte, Audiokommentare, Originaltrailer.

Capturing Robert Durst

Von Jens Mayer Familiendramen scheinen es Regisseur, Musiker und Entrepreneur Andrew Jarecki angetan zu haben; sei es die Faszination am dunklen Geheimnis hinter der Außenfassade oder die juristische Aufarbeitung eines damit einhergehenden Verbrechens. Bereits in seinem preisgekrönten Dokumentarfilm Capturing the Friedmans hatte der Filmemacher das Leben einer Familie beleuchtet, die mit dem Vorwurf des sexuellen Mißbrauchs von Kindern konfrontiert ist. Jareckis Spielfilmdebüt weist eine ganze Reihe Parallelen zu seinem Erstling auf: Auch All Beauty Must Die basiert auf einem authentischen Fall, der die US-amerikanischen Medien lange beschäftigt hat. Erneut scheinen eine undurchsichtige Tragödie in der Kindheit des Protagonisten und ein gestörtes Verhältnis zum Vater für ein späteres Verbrechen verantwortlich zu sein. Erneut bildet die gerichtliche Aufarbeitung des Falls den narrativen Ausgangspunkt.

Leider beweist der Regisseur in der Inszenierung weniger Gespür für sein Thema. Das liegt weder am faszinierend-vielschichtigen Plot um die Hauptfigur Robert Durst, der sich im Laufe der Handlung als Charakter mit Persönlichkeitsstörung offenbart, noch an den Hauptdarstellern Ryan Gosling und Kirsten Dunst, die ihre Rollen glaubhaft und durchdacht verkörpern. Vielmehr scheint Andrew Jarecki mit den Facetten der Geschichte überfordert und sich selbst nicht wirklich im Klaren darüber zu sein, was er im Kern eigentlich erzählen will. So arbeitet er im ersten Teil die Stationen der Liebesbeziehung des Millionärssohns zu der aus einfachen Verhältnissen stammenden Katie McCarthy bis zu ihrem mysteriösen Verschwinden eher pflichtgemäß und wenig elegant ab, während die zweite Hälfte die Entwicklung und Wandlung Dursts durch seine Dissoziation in den Mittelpunkt stellt. Dabei verliert er sich in Andeutungen und undurchsichtigen Motivationen, die den aufmerksamen Rezipienten letztendlich frustriert zurücklassen.

Das mag schon allein durch die schwierige Erzählperspektive bedingt sein: Das Skript hat sich für die Darstellung durch Durst selbst entschieden, festgehalten in den Protokollen der Staatsanwaltschaft, die das Geschehen überwiegend emotionslos aus dem Off kommentiert. Demgegenüber steht ein theatralischer Standard-Score, der eine bedeutungsschwangere Tiefe suggeriert, die All Beauty Must Die an keiner Stelle wirklich einlösen kann. Am Ende bleibt ein unentschlossen wirkendes Werk; bestenfalls ein durchschnittlicher Thriller mit scheinbar wenig Interesse daran, Hintergründe oder gar Motivationen seiner Protagonisten zu durchleuchten. 2012-03-28 09:27

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