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Beate Uhse – Das Recht auf Liebe

D 2011. R: Hansjörg Thurn. B: Timo Berndt. K: Markus Hausen. M: Ulrich Reuter. P: Zeitsprung Entertainment. D: Franka Potente, Ray Fearon, Hans-Werner Meyer, Henry Hübchen, Sylvester Groth, Josefine Preuß, Rike Schmid, Bert Tischendorf u.a.
110 Min. Ascot Elite ab 10.10.11

Sp: Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1). Ut: keine. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Originaltrailer, Trailershow, Dokumentation: Peter Huemer im Gespräch mit Beate Uhse (aus der Reihe »Berliner Begegnungen«).

Absolut jugendfrei

Von Shirin Eghtessadi Die Geschichte von Beate Uhse ist nicht mit der Vermarktung von Pornographie gleichzusetzen – sie erzählt viel mehr. Häufig wurde sie von Presse und Biographen mit Stationen der deutschen Geschichte in Zusammenhang gebracht. Diese Verbindungslinie setzt auch den Rahmen für die ZDF-Produktion Beate Uhse – Das Recht auf Liebe. Die wirklich interessanten geschichtlichen Aspekte, wie Beate Uhse ihre eigene Biographie als Marketinginstrument einsetzte und sie auf aktuelle gesellschaftliche Strömungen abstimmte, bleiben leider im Dunkeln. Dafür erfährt der Zuschauer einmal mehr, daß deutsche Fernsehproduktionen noch so interessante Stoffe dermaßen bieder gestalten können, als hätte Guido Knopp persönlich Regie geführt.

Der Film erzählt Beate Uhses Lebensgeschichte in Rückblenden. Von ihrer Flucht vor den Russen in die englische Besatzungszone am Ende des Zweiten Weltkrieges über den Aufbau ihres Imperiums bis hin zum Hier und Jetzt, wo sie ihrem aktuellen Lebenspartner von den Stationen ihres Lebens berichtet. Die Beiden befinden sich in dem Haus, in dem Uhse zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern gelebt hat. Das Setting weist einen ungewollt komischen Aspekt auf: Die Lichtführung und die durch die Nachsynchronisation unnatürlich wirkenden Dialoge erwecken den Eindruck, daß man es hier mit einem Erotikfilm zu tun hat und sich die beiden Protagonisten gleich die Kleider vom Leib reißen werden. Aber nichts dergleichen geschieht. Wer in einem Film über Beate Uhse Freizügigkeit und Erotik erwartet, wird bitter enttäuscht – der Film ist absolut sexfrei. Auch nichterotische Spannung ist rar. Der Zuschauer erfährt zwar von den vielen rechtlichen Klagen und privaten Kämpfen, die Uhse auszutragen hatte, es bleibt jedoch ein fader Beigeschmack.

Henry Hübchen als charmanter Anwalt Uhses, Sylvester Groth als diabolischer Staatsanwalt und die starke Franka Potente in der Hauptrolle können den Film trotz redlicher Bemühungen nicht retten: Das Potential der hochkarätigen Besetzung verpufft in gestelzten Dialogen und unnatürlicher Inszenierung. Wer ein konventionelles Fernseherlebnis sucht, erhält reichliche 110 Minuten. Wer die spannende Geschichte einer umstrittenen Unternehmerin und Frau sucht, braucht vor allem eines: eigene Fantasie! 2012-02-10 19:07

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