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Good

GB 2008. R: Vicente Amorim. B: John Wrathall. K: Andrew Dunn. S: John Wilson. M: Simon Lacey. P: Good Films. D: Viggo Mortensen, Jason Isaacs, Mark Strong, Steven Mackintosh, Gemma Jones, Rick Warden, Jodie Whittaker, Ruth Gemmell u.a.
92 Min. Ascot Elite ab 16.8.11

Sp: Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 2.35:1 anamorph. Ex: Originaltrailer, Trailershow.

Jenseits von Gut und Böse

Von Till Boller Ein beliebtes Thema des jüngeren NS-Films ist die Auseinandersetzung mit der Grauzone im Verhältnis Einzelner zu den Verbrechen des Naziregimes (Der Vorleser, Speer und Er oder Napola lassen sich exemplarisch für diesen Trend anführen). Auch die britische Theateradaption Good konzentriert sich auf die parabelhafte Darstellung der persönlichen Verantwortung Einzelner und der Verführungen im System des Nationalsozialismus.

Good erzählt vom rückgratlosen Literaturprofessor John Halder (Viggo Mortensen), der sich nach und nach im Netz des NS-Systems verfängt. Vor Entscheidungen gestellt wählt er stets den Weg des geringsten Widerstandes und gibt sich allzu leicht Verlockungen, wie einer hübschen jungen Studentin oder einem Forschungsauftrag für die NSDAP, hin. Wenn es darum geht, für eine Sache einzustehen oder Mut zu beweisen, dann duckt er sich weg oder sucht Ausflüchte zur Selbstrechtfertigung. Da er sich nicht traut für eigene Werte und Vorstellungen einzustehen, findet er sich eines Tages unvermittelt in einer SS-Uniform mitten in einem KZ wieder. Nie handelt Halder bewußt böswillig, doch mit jeder verpaßten Chance des Widerstandes und der Opposition zerfällt seine moralische Integrität zusehends.

Der Film durchleuchtet das moralische Dilemma vieler deutscher Durchschnittsbürger während der NS-Zeit. Dabei bleibt der Film durchweg recht abstrakt und nur auf den sauberen Ablauf seiner Moralparabel bedacht. Der Eindruck von Authentizität und eine spannende Narration bleiben auf der Strecke. Das Antiheldentum wird überkorrekt durchdekliniert, wodurch Mitgefühl und Betroffenheit beim Publikum nicht wirklich geweckt werden können und der Ausgang der Geschichte von Anfang an bis ins Detail vorhersehbar bleibt. Daß Good auf einem Theaterstück beruht, ist dem Film deutlich anzumerken. Zu sehr bleibt der Film an seiner Vorlage verhaftet, ohne ein adäquates filmisches Vokabular zu entwickeln. Viel zu bühnenlastig wirken Dialoge, Settings und Decors. Den wenigen Momenten filmisch stilisierten Ausdrucks fehlt es dazu an eigenständiger Vorstellungskraft und sie geraten recht plump. Das Ganze kulminiert in einer abstrakt pathetischen KZ-Plansequenz zum Finale des Films. In der Inszenierung hangelt sich der Film ohne Eigendynamik von Szene zu Szene. Eigenständige filmische Ideen sind nur spärlich vorhanden, beispielsweise im Spiel mit der Farbe Rot als Symbol für den Sündenfall und der Verführungskraft des Nationalsozialismus.

Zugutehalten muß man Good die wirklich starken Schauspielleistungen von Viggo Mortensen als John Halder, der die Passivität seiner Rolle überzeugend verkörpert, sowie John Isaacs als Halders jüdischem Freund, dessen Charakterzüge im lebhaften und aufbrausenden Gegensatz zu denen Halders stehen. Isaacs Charakter ist der einzige, zu dem der Zuschauer eine emotionale Bindung aufbauen kann. Leider ist er in den Szenen, die seinen Charakter am meisten betreffen, wie beispielsweise in der Reichspogromnacht, selbst überhaupt nicht auf der Leinwand zu sehen, wodurch das Potential seiner Rolle nicht zur vollen Entfaltung kommt.

Good ist eine gut gemeinte Parabel über Verführungen und moralische Dilemmata der NS-Zeit, bleibt in der Ausführung aber leider vor allem leblos und langweilig. Als Übersetzung der Theatervorlage fehlt dem Film genau wie seinem Protagonisten der Mut zur Eigenständigkeit. 2011-11-10 09:52

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