The David Lynch 5

Dumbland (USA 2002), Dynamic 01: The Best of DavidLynch.com (USA 2007), Eraserhead (USA 1977), Eraserhead Stories (USA 2001), Lynch (One) (USA 2007), The Short Films of David Lynch (USA 2002) u.a.
506 Min. Capelight ab 21.4.11

Sp: Englisch (DD 2.0). Ut: Deutsch. Bf: 1.85:1 anamorph, 1.33:1 Vollbild, u.a. Ex: Intros zu sämtlichen Filmen, diverse Featurettes, Teaser, Trailer.

Ich weiß, daß ich nicht weiß

Von Sascha Ormanns David Lynchs Filme, und sein Kunstschaffen insgesamt, sind wesentlich von direkter, auch körperlicher, Erfahrung geprägt, nicht von präzisen Bedeutungen oder Thesen. Alles scheint um ein mysteriöses Nichtwissen zu kreisen. Eindeutigkeiten sind in Lynchs Kosmos nicht beabsichtigt, ambivalente Interpretationen dagegen herzlich willkommen. Vor allem geht es um den Transport und somit das Erwecken von teils auch grausigen Gefühlen und Stimmungen. Darauf muß man sich als Betrachter erst einmal einlassen. Den etwas mühsamen Weg nach Lynchtown anzutreten, lohnt jedoch ungemein und sei jedem, der ihn noch vor sich hat, dringlichst empfohlen.

Mit The David Lynch 5 ist nun eine ungewöhnliche DVD-Box erschienen, die sowohl für Lynch-Novizen als auch für langjährige Fans faszinierendes Material zum Neu- oder Wiederentdecken bietet: Sie stellt dem wenig bekannten Kurzfilmfrühwerk Lynchs dessen jüngste, ebenfalls unbekanntere Werke gegenüber und bereichert diese Zusammenstellung u.a. durch den Klassiker Eraserhead, der mit dieser Box erstmals offiziell in Deuschland erscheint. Dokumentarfilme wie Eraserhead Stories und Lynch runden zusammen mit vielen erhellenden Kommentaren diese überaus gelungene Auswahl ab.

Obwohl Lynch zu sehr bemüht ist, die künstlerische Herangehensweise seines Protagonisten zu kopieren, und der Person Lynch einen zweifelhaften Götzendienst erweist, gewährt er in seiner Essenz dennoch einen überaus intimen Einblick in die Arbeitsweise des Künstlers. Lynch ist zwar durchaus manipulativ, doch man ist gerne bereit, ihm das zu verzeihen, läßt sich sogar gerne einlullen. Der Film oszilliert eigenwillig zwischen dem freundlichen älteren Herrn und dem resoluten Künstler, der seine exakten Vorstellungen mitunter auch äußerst ruppig vertritt. Vielleicht ist David Lynch, wie der Protagonist in seiner minimalistisch gezeichneten Kurzfilmreihe Dumbland, ein ständig brüllender und furzender Mann. Vielleicht ist er ein Misanthrop, vielleicht das genaue Gegenteil. Vielleicht ist er normaler als man bei der Betrachtung seiner Kunst denken mag. Diese ist jedenfalls immer von einer wummernden Intensität geprägt, der man manchmal mit dem repetitiven »Au. Au. Au. Au. Au.« aus der zweiten Dumbland-Episode entgegnen möchte, doch der man sich meistens ob ihrer originären und verstörenden Magie nicht zu entziehen vermag. 2011-09-09 14:24

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #63.

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